Ärger für den "Nose Job"-Salafi

Analyse30. März 2012, 11:37
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Die vielen Ägypter und Ägypterinnen, die mit zu viel Islam im Staate gar nichts am Hut haben, haben derzeit nicht viel zu lachen. Wobei, zumindest zum bitter Auflachen ist es natürlich schon, wenn sich nun auch der Vertreter der altehrwürdigen Al-Azhar, der berühmtesten Institution sunnitischen Denkens, aus der Verfassungsgebenden Versammlung zurückzieht: weil die Voraussetzungen, dort eine demokratische Verfassung für Ägypten zu schreiben, wegen der Masse an Islamisten in der Versammlung nicht gegeben ist! Die Muslimbrüderpartei FJP hat übrigens angesichts der Empörung zehn Islamisten wieder aus der Versammlung hinauskomplimentiert, zugunsten von Säkularen, aber das kann einstweilen die Wogen nicht glätten.

Aber dafür lachen viele Ägypter und Ägypterinnen über das Schicksal des salafitischen Parlamentariers Anwar al-Balkimy, genauer gesagt, des Ex-Parlamentariers. Das Parlament, das er Anfang März verlassen musste, hat am Donnerstag zugestimmt, dass die Immunität des Politikers der Al-Nur-Partei aufgehoben wird. Jetzt wird er wahrscheinlich wegen Irreführung der Justiz angeklagt.

Total unislamisch!

So lautete die Nachricht Ende Februar: "Am Dienstag versuchte eine Gruppe von maskierten Angreifern, den Abgeordneten der Al-Nur-Partei, Anwar al-Balkimy, auf dem Weg von Kairo nach Alexandria zu töten. Balkimy wurde ernsthaft verletzt und musste sich einer Gesichtschirurgie unterziehen. Die Angreifer raubten auch 100.000 ägyptische Pfund ..."

Balkimy hatte berichtet, dass er bewusstlos am Wegrand liegen geblieben und dort aufgelesen und ins Sheikh-Zayed-Krankenhaus in Kairo gebracht worden war. Glaubwürdig und politisch brisant war das auch deshalb, weil im Februar auch zwei andere im islamistischen Dunstkreis stehende Politiker attackiert worden waren. Aus seinen Gesichtsverbänden zu schließen - die Fotos gingen durch die Medien -, war aber der Angriff auf Balkimy um einiges gewalttätiger gewesen. Nur dass sich kurz darauf das Sheikh-Zayed-Krankenhaus zu Wort meldete und bestätigte, dass Balkimy operiert worden war - allerdings hatte es sich um eine rein kosmetische Operation an seiner in der Tat nicht unbeträchtlichen Hakennase gehandelt.

Total unislamisch! "Er hat seine große Nase, die Allah ihm gegeben hat, kleiner machen wollen, er ist kein Muslim!", kommentiert ein Poster entsetzt in einem Forum. Ein anderer weiß sich nicht anders zu helfen, als auf seinen Primitiv-Antisemitismus zurückzugreifen: "Er ist ein Jude, er stammt aus einer reichen jüdischen Familie!"

Welches ist das "Nose Job"-Rekordland?

Tatsächlich lehnen die radikalislamischen sunnitischen Salafis jede Veränderung der Schöpfung Mensch ab - wobei sie ja im Grunde alles ablehnen, was es nicht in den ersten Generationen nach dem Tod des Propheten Muhammad auch schon gegeben hat. Umso erstaunlicher, dass sie jetzt in einem demokratisch gewählten republikanischen Parlament sitzen ... Übrigens hält ein Land einen "Nose Job"-Rekord, und das ist - erraten - die Islamische Republik Iran. Ein ästhetisches Trauerspiel, bald werden sie alle mit der gleichen Nase umherlaufen ...

Die Balkimy-Story endet vorläufig jedenfalls, wie sie enden muss, mit dem Ende einer Politikerkarriere - Balkimy trat nicht ganz freiwillig aus Parlament und Nur-Partei aus - und einer Anklage. Übrigens hat Balkimy seinerseits angekündigt, die Ärzte beziehungsweise das Management des Spitals zu klagen. Ob das eine Klage wird, die der Behauptung des Krankenhauses gilt, er, Balkimy, habe sich am 28. Februar einer Nasenoperation unterzogen und gleich danach das Krankenhaus auf Revers verlassen? Vielleicht wird es ja doch eher eine Klage wegen Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht ...

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    Anwar al-Balkimy im ägyptischen Parlament Mitte Februar.

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