Ursprung aller Hausrinder liegt in kleiner "Ur-Herde" im Nahen Osten

29. März 2012, 17:41
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Auf Basis von genetischen Untersuchungen konnte die Größe der ersten domestizierten Kuhherde berechnet werden

Eine aktuelle genetische Studie hat die Ursprünge unserer Hausrinder aufgespürt. Alle heute lebenden Milch- und Steaklieferanten dürften demnach von einer nur 80 Auerochsen umfassenden Gruppe abstammen. Die auch als Ur bekannten Wildtiere wurden vermutlich erstmals vor etwa 10.500 Jahren in einer kleinen Region zwischen Südostanatolien und Syrien domestiziert.

Ein internationales Team von Wissenschaftlern untersuchte DNA aus Knochenresten von Rindern, die aus archäologischen Ausgrabungen im Iran stammen. Die Fundorte datieren in die Zeit kurz nach der Erfindung von Ackerbau und Viehhaltung und stammen aus der Region, in der nach heutigem Kenntnisstand Rinder zum ersten Mal domestiziert wurden.

Das Team aus Mainz, Paris und London hat die Sequenzen der archäologischen Proben mit denen heutiger Rinder verglichen und dabei kleine Unterschiede zwischen den Populationen entdeckt. Die Forscher prüften in der Folge verschiedene Szenarien, um diese Unterschiede zu erklären. Mit Computersimulationen wurden die möglichen Entwicklungen im Laufe der Geschichte nachgespielt. Dabei entdeckten die Wissenschaftler, dass die geringen genetischen Unterschiede nur zu erklären sind, wenn lediglich 80 der wilden Auerochsen die Vorfahren unserer heutigen Hausrinder waren.

Viele Gelegenheiten

Die Anzahl der domestizierten Tiere ist von großer Bedeutung für die Erforschung der Geschichte unserer Haustiere. Mark Thomas, Genetiker am University College in London, bemerkte, dass dies eine erstaunlich geringe Anzahl an Rindern sei. "Wir wissen von archäologischen Überresten, dass die wilden Vorfahren der Hausrinder, die Auerochsen, in Asien und Europa vorkamen. Es hätte daher viele Gelegenheiten gegeben, die Wildrinder zu domestizieren."

"Die Auerochsen sind nicht mit den zahmen und umgänglichen Hausrindern von heute vergleichbar. Die Tiere in Gefangenschaft zu halten war schon ein schwieriges Unterfangen. Sie dann langfristig erfolgreich zu zähmen und zu züchten, muss eine echte Herausforderung gewesen sein", fügte Joachim Burger von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an.

Auch Ziegen, Schafe und Schweine stammen aus dem Nahen Osten

Archäologische Untersuchungen an prähistorischen Tierknochen zeigten, dass nicht nur Rinder, sondern auch Ziegen, Schafe und Schweine erstmalig im Nahen Osten domestiziert worden sind. Die Anzahl der ursprünglich gefangenen Wildtiere zu bestimmen, ist schwierig. Dabei kann die Genetik oft helfen, das von der Archäologie vorgezeichnete Bild zu vervollständigen, insbesondere, wenn die DNA von den prähistorischen Proben selbst stammt. Jean-Denis Vigne, Bioarchäologe beim CNRS in Paris und Co-Autor der im Fachmagazin "Molecular Biology and Evolution" erschienenen Studie meint: "In dieser Studie ermöglicht uns die genetische Analyse Fragen zu beantworten, die sich Archäologen bisher noch nicht einmal zu stellen trauten."

Eine geringe Anzahl an Vorfahren bei den Hausrindern deckt sich mit Erkenntnissen aus der Archäologie. Demnach gibt es Hinweise auf die frühe Domestikation des Rinds nur aus einer kleinen Region zwischen Südostanatolien und Syrien vor 10.500 Jahren. In dieser Gegend waren die Menschen sesshaft. Möglicherweise ist dies die Erklärung, warum die Rinderzucht gerade hier in dieser überschaubaren Region letztendlich im kleinen Maßstab erfolgt ist. (red, derstandard.at, 29.3.2012)

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    Rund 16.000 Jahre alte Darstellung eines Wildrindes in der Höhle von Lascaux. Es dürfte noch weitere 5.500 Jahre gedauert haben, ehe im Nahen Osten der Auerochse oder Ur (Bos primigenius) domestiziert wurde. Das letzte Exemplar dieser Rinderwildform ist im 17. Jahrhundert gestorben.

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