Verfassungsschutz: "kreuz.net" teilweise antisemitisch

29. März 2012, 15:45
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Betreiber des sich als katholisch bezeichnenden Internetportals agieren anonym

Das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz stuft laut deutschen Medienberichten die Internetseite "kreuz.net" als teilweise antisemitisch und muslimfeindlich ein. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" zitierte laut Kathpress am Donnerstag aus einer Antwort des Verfassungsschutzpräsidenten Heinz Fromm auf eine Anfrage des Parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen, Volker Beck. Demnach heißt es in der Antwort Fromms, die Seite zeichne sich "durch homophobe, muslimfeindliche und antisemitische Äußerungen" aus. Etliche Beiträge seien nicht vom Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt und überschritten "die Grenzen zur Strafbarkeit".

Anonyme Poster

"kreuz.net" bezeichnet sich selbst als "Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind". Die Seite wurde auf den Bahamas registriert. Als Herausgeber wird ein "Sodalicium for 'Religion and Information'" (Kameradschaft für Religion und Information) in El Segundo, Kalifornien, USA genannt. "kreuz.net" akzeptiert "ohne Namen eingereichte Informationen und betrachtet es als Ehrensache, die strikte Anonymität seiner Informanten zu wahren". Die Redakteure und Autoren kommen offensichtlich aus dem deutschen Sprachraum.

Der deutsche Verfassungsschutz stößt laut eigenen Angaben bei im Ausland befindlichen Servern an seine Grenzen. Beck lobte gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger", es sei "gut, dass der Verfassungsschutz die Hetzer von kreuz.net im Auge hat. Der Unflat dieser Seite aus dem Sympathisantenumfeld der (von der katholischen Kirche abgespaltenen, traditionalistischen, Anm.) Pius-Bruderschaft ist eine Beleidigung für jeden gläubigen Katholiken". Laut Beck veröffentlicht auf der Seite auch ein Vorstandsmitglied von "Pro Köln"; diese Wählergruppe, die mit eigener Fraktion im Stadtrat von Köln vertreten ist, wird seit 2004 wegen Verdachts auf rechtsextremistische Bestrebungen vom Verfassungsschutz beobachtet.

Netzfreiheit als Argument

Beck selbst hatte im November des Vorjahres in einem Beitrag in der "FAZ" die Netzfreiheit verteidigt, obwohl diese auch viele Schattenseiten mit sich bringt. Er schrieb damals: "Zweifellos werden aus der Anonymität heraus Straftaten begangen und Menschen zum Hass aufgestachelt. Ich glaube zu wissen, wovon ich hier spreche. Nur wenige Politiker werden so wie ich vom führenden deutschsprachigen Portal für Rassisten (Beck meint den islamkritischen Blog "Politically Incorrect", Anm.) und den christlichen Hasspredigern von kreuz.net durch den Dreck gezogen."

Sowohl vonseiten der deutschen wie der österreichischen Bischofskonferenz ist man schon vor einigen Jahren auf deutliche Distanz zu "kreuz.net" gegangen und hat betont, dass die Seite "nicht zur römisch-katholischen Kirche gehört" und "kein katholisches Medium" ist.

Der Leiter des Medienreferats der Österreichischen Bischofskonferenz, Paul Wuthe, hatte im Februar 2009 erklärt, die Seite sei ein "Ausdruck einer geradezu sektiererischen Hetzpropaganda, die sich immer wieder gegen Personen und Amtsträger der Kirche richtet". Sie sei "kein kirchliches, aber auch kein katholisches Internetmedium, weil es nicht die Breite und Tiefe des katholischen Glaubens und Meinungsspektrums wiedergibt" - obwohl sich das Portal selbst als katholisches Nachrichtenportal ausgebe. Es handle sich um eine rein private Initiative, deren Betreiber bewusst anonym bleiben. An diesen Tatsachen habe sich bis heute nichts geändert, so Wuthe zu den jetzigen Berichten aus Deutschland.  (APA, 29.3.2012)

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