Weltklimarat prophezeit mehr Extremwetter

    28. März 2012, 19:10
    434 Postings

    Nach Auszügen nun gesamter Bericht präsentiert - IPCC erwartet mit hoher Wahrscheinlichkeit längere und intensivere Dürren

    Genf - 220 Autoren aus 62 Ländern haben 18.611 Kommentare abgegeben: Um den Klimawandel zu untersuchen, wollte der Weltklimarat IPCC die Meinung der führenden Experten wissen. Das Ergebnis, zu dem diese im fast 592-seitigen Bericht SREX kommen: Mit hoher Wahrscheinlichkeit (66 bis 100 Prozent) wird es zu längeren und extremeren Dürren in vielen Teilen der Welt kommen, unter anderem in Südeuropa, im Mittelmeerraum, in Teilen Amerikas und im südlichen Afrika. Im vergangenen November wurde für politische Entscheidungsträger eine 19-seitige Zusammenfassung des Reports veröffentlicht, der nun die Gesamtversion folgte.

    Laut dieser werden Hitzewellen in den meisten Landregionen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit häufiger, länger und intensiver. Das könne auch in Mittel- und Nordeuropa geschehen, allerdings seien die Vorhersagen dafür nicht ganz so sicher. In Ostafrika würden mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 bis 100 Prozent die Starkniederschläge im weiteren Verlauf des 21. Jahrhundert steigen, in Europa liege diese Wahrscheinlichkeit bei 66 Prozent oder höher. Stärker betroffen sei Europa dafür von Phänomenen wie Gletscherschmelzen und Hochwasser.

    Mehr Todesopfer, höhere Schäden

    Wegen der zunehmenden Wetterkatastrophen ruft der Weltklimarat zur besseren Anpassung an die neuen Bedingungen auf. Extreme Temperaturen und Hitzewellen hätten auch im Rückblick seit 1950 zugenommen, und ihre Zahl werde weiter steigen, heißt es in der Veröffentlichung. Nicht zuletzt wird der Klimawandel auch gesellschaftliche Auswirkungen nach sich ziehen.

    Über 90 Prozent liege demnach die Wahrscheinlichkeit, dass Naturkatastrophen in den Industrieländern zu mehr wirtschaftlichen Schäden führen werden, während in den armen Ländern die Zahl der Toten steigen werde - diese absolute Zahl sei allerdings zu relativieren, weil wegen des generellen Bevölkerungsanstiegs auf der Erde immer mehr Leute betroffen sein werden. Von 1970 bis 2008 hätten die Entwicklungsländer mehr als 95 Prozent der weltweiten Todesfälle durch Naturkatastrophen verzeichnet, schreibt der IPCC.

    Genug Wissen für gute Entscheidungen vorhanden

    Im Kern des Reports stecke aber eine gute Nachricht, sagte der Co-Leiter der IPCC-Arbeitsgruppe II, Chris Field, bei der Präsentation am Mittwoch in Genf: "Wir wissen genug, um gute Entscheidungen über das Risikomanagement von klimaabhängigen Katastrophen zu treffen. Manchmal nutzen wir das Wissen, aber sehr oft nicht." Künftig müsse sowohl das Wissen erweitert als auch bessere Entscheidungen getroffen werden, selbst wenn es noch Unsicherheiten gebe.

    Der Weltklimarat hatte die 19-seitige Kurzfassung des Reports für Politiker bereits im vergangenen November veröffentlicht. Die Wahl des Zeitpunkts stieß auf Kritik, weil das Exzerpt wenige Wochen vor dem Weltklimagipfel in Durban präsentiert wurde. Gegner befürchteten, der Weltklimarat wolle den Gipfel mit negativer Stimmungsmache beeinflussen. Klimaschutzaktivisten hingegen argumentierten in die andere Richtung, die Zusammenfassung sei weichgespült. Dementsprechend zurückhaltend formulierten die Experten ihre Annahmen und versahen sie jeweils mit einer Wahrscheinlichkeitsgröße. (red/APA, 28.3.2012)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Längere Dürreperioden wie hier in Alcora in Spanien werden laut Weltklimarat in Europa wahrscheinlicher.

    Share if you care.