Ein komischer Kauz auf Dienstreise

25. März 2012, 18:23
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Hosea Ratschiller verkörpert den FM4-Ombudsmann

Wien - Die Zweitverwertung von Radiokabarett scheint Mode zu werden: Nach dem Ö3-Fallensteller Gernot Kulis, der sich mit Brachialhumor die Dummheit der Bevölkerung zunutze macht, präsentiert sich nun auch der FM4-Ombudsmann leibhaftig auf der Bühne. Seine Dienstreise, wie das gelungene Programm heißt, begann dieser, verkörpert von Hosea Ratschiller, im Rabenhof Theater.

Seit sechs Jahren setzt sich der FM4-Ombudsmann mit den skurrilen wie geistreichen Fragen der Hörer auseinander. Die pointierten Antworten, allesamt verfasst von Martin Puntigam und Ratschiller, erschienen soeben kompiliert beim Czernin Verlag. In der Einführung zu Der FM4 Ombudsmann beantwortet deine Fragen stellt sich dieser selbst vor: Als ehemaliger 68er, geboren in den allerletzten Kriegstagen 1945, mutiert zum zerstreuten Professor.

Und als ebensolcher betritt Ratschiller, sympathischer Jungspund der Kabarettszene, die Bühne: Sein Outfit - er trägt Glatze, Brille, Mascherl und einen beigen Anzug - wie auch die biedere Atmosphäre erinnern ein wenig an Robert Lembkes Was bin ich? oder an das von Rudolf Hornegg kreuzbrav moderierte Quiz 21: In seiner Live-Sprechstunde gedenkt der Ombudsmann die Anfragen nach den Nummern auf dem Garderobenzettel zu beantworten. Die Befürchtung, der Abend könnte dramaturgisch ziemlich in die Hose gehen, ist allerdings unbegründet: Ratschiller lässt den kauzigen Querdenker nebenbei einiges aus seiner Ehe erzählen - und an der falschen Stelle die Konfettibombe explodieren. Seine Ilse hätte ihn wohl nicht geheiratet, wenn sie gewusst hätte, was für ein Schussel er ist: "Nachher ist jeder klüger. Außer vielleicht der Selbstmordattentäter."Zudem hat sich der Ombudsmann tatkräftiger Unterstützung nicht nur des Duos Love & Fist versichert, das einige wunderschön-traurige Songs zu Gehör bringt: Mittendrin verwandelt sich Ratschiller in den Tiroler, beim FBI ausgebildeten Flirttrainer Florian Finster und erneut in die lasziv sich durchs blonde Haar fahrende Jessica, die den Sprech einer Wiener Tusse grandios beherrscht. Das Abarbeiten der Fragen wird so, bis zum überraschenden Ende, zum schmückenden Beiwerk. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 26.3.2012)

Am 28. 4. wieder im Rabenhof, danach auf Österreichtournee.

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