Umstrittene Repräsentanzen der Republika Srpska

Hintergrund23. März 2012, 19:33
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Außenministeriumssprecher: "Für uns ist es eine Tourismusvertretung wie eine Ländervertretung von Kärnten oder Tirol, aber kein diplomatisches Gegenüber"

Wien - Es wird aufgegeigt und Sekt gereicht. Sogar der Industrielle Hans Peter Haselsteiner ist gekommen. Donnerstagabend wurde in der Wiener City im früheren Büro der Fluglinie Jat die regionale Vertretung des bosnischen Landesteils Republika Srpska (RS) eröffnet. RS-Büros existieren bereits in Belgrad, Moskau, Stuttgart, Brüssel und Jerusalem.

Die Eröffnung des Büros in Wien ist hoch umstritten. Das österreichische Außenministerium hatte große Vorbehalte. Denn mit den Auslandsvertretungen versucht Präsident Milorad Dodik einmal mehr, die RS als Quasi-Staat zu etablieren. Dodik ist gegen die Integration Bosniens und drohte öfters mit Sezession.

"Tourismusvertretung"

Offizielle Vertreter der Republik Österreich waren am Donnerstag nicht anwesend. Alexander Schallenberg, Sprecher des Außenamts, zum Standard: "Für uns ist es eine Tourismusvertretung wie eine Ländervertretung von Kärnten oder Tirol, aber kein diplomatisches Gegenüber." Die serbische Botschaft ist zwar vertreten, nicht aber der Botschafter selbst. Der ehemalige SP-Politiker Albrecht Konecny findet allerdings freundliche Worte. Dodik habe die RS aus "dem Eck eines allzu engen Nationalismus herausgeholt". Die RS sei unter "dieser Führung" auf einem guten Weg. Und Österreich sei gut beraten, dies zur Kenntnis zu nehmen.

Viele bosnische Serben - die meisten boykottierten das Unabhängigkeitsreferendum in Bosnien-Herzegowina vor 20 Jahren - wollen auch heute nicht in einem gemeinsamen Staat mit Bosniaken und Kroaten leben. Im Gebiet der RS lebten vor dem Krieg 55 Prozent Serben, 28 Prozent Bosniaken und neun Prozent Kroaten. Durch Vertreibung, Massenmord und "ethnische Säuberung" sind heute etwa 90 Prozent der Bevölkerung in der RS serbisch. (awö/DER STANDARD, 24.3.2012)

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