"Diese Brutalität hat mich schockiert"

23. März 2012, 18:38
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Die Angeklagten sollen NS-Parolen gerufen und Menschen verprügelt haben

Graz - Der Prozess wegen schwerer Körperverletzung gegen acht Männer, die 2010 in Graz in einem Studentencafé und Monate später beim Public Viewing des Spiels Ghana gegen Deutschland NS-Parolen gerufen und Menschen verprügelt haben sollen, wurde Donnerstag und Freitag fortgesetzt."Ich habe schon Wirtshausraufereien gesehen", sagte ein Kellner, der einem auf dem Boden liegenden Gast, dem mehrere Männer ins Gesicht traten, helfen wollte, "aber diese Brutalität und dieser Hass haben mich schockiert."

Der Kellner wurde selbst verletzt und sagt vor den Angeklagten aus. Viele andere haben Angst, den Männern zu begegnen. Richter Raimund Frei lässt die Beschuldigten wiederholt vor der Tür warten. Von dort hört man sie laut lachen, während im Saal Zeugen vom "Blutrausch" der Männer mit gewachsten Scheiteln und einheitlichen Neonazi-Leiberln erzählen. Vor Gericht erscheinen fast alle in Steireranzügen.

Der Überfall im Café fand am 30. Jänner statt: "Der Tag der Machtergreifung Hitlers 1933 in Deutschland", weiß ein Opfer, das Historiker ist. Ein Opfer war mit dem grünen Nationalrat Werner Kogler beim Public Viewing. Nachdem die Gruppe den Politiker erkannte und ihm Bier ins Gesicht schüttete (die einzige Tat, zu der man sich geständig zeigt), zertrümmerte man dem Begleiter Koglers das Jochbein. Kurz danach habe sich sein Angreifer nochmals vor ihn gestellt und gerufen: "Den bring ich um." Der Mann erinnert sich: "Ich habe gedacht, jetzt ist es aus." Doch ein unbeteiligter Gast aus Tunesien stellte sich schützend vor ihn.

Am Montag wird der Prozess fortgesetzt. Wegen Wiederbetätigung stehen die Männer gemeinsam mit dem Rechtsextremisten Franz Radl im Mai wieder vor Gericht. Gegen Richard P. wurde die Anklage auf Herabwürdigung religiöser Lehren ausgedehnt. Er soll bei einer Fronleichnamsprozession den Grazer Armen-Pfarrer Wolfgang Pucher verbal attackiert und "Scheiß Christenschweine" gerufen haben. (cms, DER STANDARD, 24./25.3.2012)

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