Experten: Elektroautos zu 95 Prozent ausreichend

21. März 2012, 12:49
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Laut Wiener Wissenschaftern ließen sich mittels Tanken an der Steckdose fast alle Autowege abdecken

Wien - Mit Elektroautos könnte mittlerweile ein großer Teil der täglichen Autofahrten abgedeckt werden, so die optimistische Einschätzung von Wiener Wissenschaftern. Im Zuge einer Studie der Technischen Universität (TU) Wien, der Wiener Universität für Bodenkultur (BOKU) und dem Austrian Institute of Technology (AIT) zeigte sich, dass 95 Prozent der im Auto zurückgelegten Wege innerhalb der Reichweite moderner Elektroautos liegen. Der Umstieg zahle sich vor allem im Bereich der Kleinwagen aus, berichtet die TU.

Kurzstrecken weit überwiegend

Für die Studie wurden über einen Zeitraum von drei Wochen Autos in Wien und Niederösterreich mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungen aufzuzeichnen. Dabei zeigte sich, dass 95 Prozent der gefahrenen Wege kürzer als 50 Kilometer waren. Bei sparsamer Fahrweise wären heute Strecken von etwa 150 Kilometern mit E-Autos bewältigbar. Die eingeschränkte Reichweite von Elektroautos sei daher meistens kein Problem.

Nicht nach Fahrten, sondern nach den einzelnen Fahrzeugen aufgedröselt, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass bei immerhin 60 Prozent aller untersuchten Klein- und Mittelklassewagen alle Fahrten während des Untersuchungszeitraumes ohne Einschränkungen auch elektrisch zu bewältigen gewesen. Nimmt man die Möglichkeit einer Schnellladung (maximal einmal pro Fahrt) dazu, hätten Elektroautos sogar in 80 Prozent der untersuchten Fälle ausgereicht.

Was die Auflademöglichkeiten betrifft, würden laut der Untersuchung Ladestationen zu Hause und eventuell auch am Arbeitsplatz in den meisten Fällen reichen. Ein dichtes Netz an "Elektro-Tankstellen" wäre somit nicht unbedingt nötig. Zu Hause und am Arbeitsplatz genüge jeweils eine gewöhnliche 230-Volt-Steckdose als Energiequelle, so die Studienautoren."Bei Kleinfahrzeugen stellt sich ein Umstieg auf Elektromotoren in den meisten Fällen als sinnvoll heraus", erklärte Markus Litzlbauer vom Institut für Energiesysteme und Elektrische Antriebe der TU. Bei größeren Fahrzeugen, wie etwa Lasttransportern oder SUVs, wird der Wechsel hingegen als "kaum möglich" bezeichnet.

Zuversicht

Die Energie für die Autos könnte zu einem großen Teil durch Photovoltaik erzeugt werden. Unter realistischen Annahmen, also bei Vorhandensein gemeinsamer Photovoltaik-Aufladestationen in Wohnsiedlungen und auf Parkplätzen am Arbeitsplatz, wären Solaranlagen möglich, die im Jahresdurchschnitt so viel Elektrizität erzeugen, wie die Autos verbrauchen. Da aber weder die Sonne immer gleich stark scheint noch immer alle Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden, müssten eventuelle Engpässe mit Strom aus dem Netz überbrückt werden. Dieser Anteil könnte aber zu anderen Zeitpunkten wieder zurückfließen.

Was Reichweite und Infrastruktur betrifft, könne das Elektroauto schon einen großen Teil der Mobilitätsbedürfnisse erfüllen. Die Studie zeige, dass die Elektromobilität momentan eine immer praxistauglichere Option werde. "Das größte Hindernis für den Erfolg von Elektrofahrzeugen am Markt ist heute immer noch der hohe Preis der Batterie", so Litzlbauer. (APA/red,derstandard.at, 21.3.2012)

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