Studenten unbeeindruckt von Warnungen der Regierung

16. Juni 2003, 07:02
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Massenproteste auch am Wochenende

Tausende Iraner haben am Wochenende versucht, die Zufahrtsstraßen zum Universitätsviertel in Teheran zu blockieren und mit Lichthupen ihrer Sympathie für die demonstrierenden Studenten Ausdruck zu verleihen. Auch in den zentraliranischen Städten Isfahan und Shiraz kam es zu vereinzelten Protesten der Jugendlichen. In Isfahan wurde ein Studentenwohnheim in Brand gesteckt, in Shiraz ein 18-jähriger Mann von Schlägertruppen tödlich verletzt.

In Teheran kontrollieren radikale Islamisten, die so genannten Ansar Hezbollah, abends die Gegend um die Teheraner Universität. Während die Studenten der Universitäten in Teheran aus Protest gegen die Schlägertruppen die Abschlussprüfungen boykottieren, wurden mehrere Studentenwohnheime im Zentrum Teherans von zivilen Schlägertruppen besetzt und mehrere Studenten geprügelt

Wie die konservative Zeitung Siasete Roos am Sonntag berichtete, soll Wissenschaftsminister Mohammed Moin aus Protest gegen die herrschenden Zustände an den Universitäten seinen Rücktritt eingereicht haben. Diese Meldung wurde jedoch bisher nicht von Regierungsseite bestätigt. Moin gilt als eine Galionsfigur der Reformer. Um die Situation zu beruhigen, hat der Teheraner Staatsanwalt die Verhaftung verdächtigter Anführer der Schlägertruppen bekannt gegeben.

Während die liberale Presse von gerechten Forderungen der Jugendlichen und Studenten spricht und von eventuellen Folgen einer unkontrollierten Handlung warnt, sehen die konservativen Kreise die USA als Drahtzieher der Unruhen. Sprecher des iranischen Außenministeriums haben auch in einer ersten Stellungnahme den USA vorgeworfen, sich in die inneren Angelegenheiten des Iran einzumischen.

Die Teheraner Stadtautobahnen sind seit Beginn der Studentendemonstrationen am vergangenen Dienstag regelmäßig bis spät in die Nacht Schauplatz hupender Autos. Vor allem in der Universitätsgegend herrscht ein Verkehrschaos. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.6.2003)

An den Universitäten in Teheran halten die Massenproteste gegen die konservative geistliche Führung des Landes an. Auch der reformorientierte Präsident Khatami verliert Unterstützung.

Amir Loghmany aus Teheran
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