Flughafen Wien will effizienter werden

21. März 2012, 08:42
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Konzernergebnis halbierte sich auf 31,6 Millionen Euro, zusätzliche Jobs fallen weg

Wien - Der Flughafen Wien hat 2011 nach Abschreibungen von 90 Millionen Euro nur mehr 31,6 Millionen Euro Gewinn gemacht, nach 75,7 Millionen Euro 2010, und halbiert die Dividende auf einen Euro. Für 2012 geht das seit sechs Monaten tätige Vorstandsduo Günther Ofner und Julian Jäger davon aus, dass der Umsatz von 582 Millionen Euro auf über 600 Millionen Euro und der Gewinn auf mehr als 50 Millionen Euro wachsen werden. Gefördert wird die Expansion durch den neuen Abfertigungspier Skylink und Investitionen in Geschäfte, Konferenzen, Hotels und eventuell ein Einkaufszentrum. Gewinne wie 2010 sind für die nächsten Jahre aber nicht absehbar.

AUA bringt Flughafen zum Sparen

Der Flughafen muss auch sparen, nicht zuletzt, um der AUA und den anderen Fluglinien günstigere Konditionen bieten zu können. Wien sei derzeit schon um zehn Prozent billiger als München, um 15 Prozent billiger als Zürich und um 30 Prozent billiger als Frankfurt, den anderen drei großen Knotenpunkten der Star Alliance, so Ofner, und müsse seinen Vorsprung erhalten. Denn keine Airline fliege aus Liebe zu Österreich über Wien. Die AUA, zuletzt von ihrer deutschen Mutter Lufthansa durch eine 140-Millionen-Euro-Kapitalspritze auf den Beinen gehalten, auf die rund die Hälfte der Passagiere in Wien entfällt, habe bereits Vergünstigungen erhalten, die dann auch für andere Airlines gelten.

So sei in der Abfertigung (Handling) ein "niedriger zweistelliger Millionenbetrag" zusammengekommen. Um das Geld hereinzubringen habe der Flughafen im Handling 100 Posten gestrichen, aber weitere Einsparungen, die auch "die Mitarbeiter und künftige Gehaltserhöhungen betreffen" seien nötig, sagte Ofner. Für Transferpassagiere erhalten die Airlines pro Passagier nun 10 statt 8,21 Euro Vergünstigung, die auf bis zu 11,30 Euro steigen kann. Und für künftige neue Langstreckenverbindungen wird im ersten Jahr keine Landegebühr verrechnet, in den Jahren danach gibt es weitere Verringerungen.

Neue Verbindungen seien aber frühestens 2013 zu erwarten. "Es war wichtig, dass es gelungen ist, die Lufthansa dazu zu bewegen, die AUA mit einem Kapitalzuschuss wieder flott zu machen" damit sie wachsen und ihre Aufgabe als Homecarrier wahrnehmen könne, so Ofner. Der Flughafen bekenne sich zum Ausbau der Infrastruktur für einen Knoten der Star Alliance.

Nicht mehr, nicht weniger Jobs

Die geringeren Erträge kompensiert der Flughafen teilweise durch Personaleinsparungen. Im Handling etwa wurden in zwei Jahren 100 der gut 2.000 Posten abgebaut, die meisten Betroffenen kamen allerdings in anderen Bereichen unter, insbesondere im Skylink, wo 300 neue Jobs entstehen. Der Skylink wird nun endgültig am 5. Juni "von Null auf Hundert" in den Vollbetrieb gehen. Im Zuge des Probebetriebs wurde unter anderem ein neuer Passagierweg für Transferpassagiere an der Außenfront geschaffen, um Wartezeiten zu verkürzen. Von insgesamt 700 Verbesserungsvorschlägen seien bereits drei Viertel umgesetzt.

Skylink-Saboteur inaktiv

Skylink soll Heimat für die Star Alliance rund um die Lufthansa/AUA werden. Die Kosten - ohne Schnittstellenprojekte - für das um Jahre verspätete Projekt sollen letztlich "deutlich" unter 770 Millionen Euro liegen, das "deutlich" müssten mindestens zehn Millionen Euro sein, wie Ofner auf Nachfragen präzisiert. Außerdem erhofft sich Ofner aus Schadenersatzklagen rund um das Skylink-Projekt noch einmal einen "bedeutenden zweistelligen Millionenbetrag" an Rückflüssen. Skylink sei für die Kapazitätsausweitung des Flughafens unerlässlich, bleibe aber vorerst ein Kostenfaktor. Immerhin fallen jährliche Abschreibungen von 60 Millionen Euro und Zinsen von 20 Millionen Euro an. Der Saboteur, der im Skylink erheblichen Schaden angerichtet hat, sei zwar nicht gefasst worden, habe aber auch keine Aktivität mehr gezeigt, so Jäger.

Flughäfen Kosice und Friedrichshafen negativ

Wenig Glück hat der Flughafen mit seinen Beteiligungen. Der Flughafen Malta schaffte zwar mit 3,5 Millionen Passagieren (plus 6,5 Prozent) einen Gewinn von 11,9 Millionen Euro und einen Ergebnisbeitrag von 3,8 Millionen Euro für den Flughafen Wien. Aber in Kosice (266.143 Passagiere) verbuchte der Flughafen einen Verlust von 13,1 Millionen Euro, in Friedrichshafen (571.709 Passagiere) sechs Millionen Euro Verlust. Kosice wurde teilweise, Friedrichshafen zur Gänze wertberichtigt.

Der Personalstand der Flughafen AG wird in Summe 2012 gleichbleiben oder sinken. Am Standort insgesamt mit derzeit 19.000 Arbeitsplätzen sei aber durchaus mit einem Beschäftigungswachstum zu rechnen - um rund 1.000 Jobs je 1 Mio. zusätzlicher Passagiere. Die Investitionen werden leicht zurückgefahren, auf 590 Mio. Euro statt 650 Mio. Euro bis 2015. Für den Bau der dritten Piste ist darin nichts vorgesehen, ein Baubeginn vor 2016 gilt nicht als realistisch. Nur für Lärmschutzfenster der Anrainer ist Geld geplant. (APA, 21.3.2012)

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    Die Flughafen-Chefs Günther Ofner (rechts) und Julian Jäger freuen sich auf den Skylink.

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