Treibjagden künftig unter Polizeischutz

20. März 2012, 18:40
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Neues, scharfes steirisches Jagdgesetz gegen Protestaktionen von Tierschützern bei Gesellschaftsjagden

Graz - Die steirische ÖVP will - mithilfe ihres Regierungspartners SPÖ - nun scharf gegen Tierschützer, die Treibjagden stören, vorgehen. Mit einer am Dienstag im Landtag behandelten, von der Volkspartei lancierten, Novelle zum Jagdgesetz sollen Aufsichtsjäger künftig die gesetzliche Möglichkeit erhalten, Demonstranten aus dem Wald wegzuweisen, deren Identität festzustellen und "bei Bedarf" auch eine polizeiliche Räumung des Jagdgebietes zu veranlassen. Gesellschaftsjagden sollen also Polizeischutz erhalten.

Die Novelle sei "wegen einiger Vorfälle in der Vergangenheit dringend notwendig geworden", sagt ÖVP-Landespolitiker und Jäger Karl Lackner im Gespräch mit dem Standard. Es sei bei Treibjagden "immer wieder zu gefährlichen Situationen gekommen". Tierschützer hätten die Jäger "mit aufgespannten Schirmen" davon abgehalten, "ihrer Aufgabe nachzukommen". Lackner: "Es mussten sogar Jagden abgebrochen werden. Das neue Gesetz ist auch präventiv zu sehen, damit es zu keinen Eskalationen kommt. Wir haben unsere Jäger immer angehalten, sich ja nicht provozieren zu lassen."

"Jagd-Stör-Tourismus"

Man wolle mit dem Gesetz auch dem "Jagd-Stör-Tourismus" einen Riegel vorschieben. Die Novelle sei im entsprechenden Ausschuss jedenfalls "mit großer Mehrheit" - also auch mit den Stimmen der Landeshauptmannpartei SPÖ - beschlossen worden.

So an die 20 bis 40 "Gesellschaftsjagden" würden in der Steiermark jährlich organisiert, sagt Lackner. Ob auch der wegen seiner Jagdeinladungen in den parlamentarischen U-Ausschuss vorgeladene Alfons Mensdorff-Pouilly in der Steiermark seine Jagdgesellschaften abgehalten habe, wisse er aber nicht.

Ein heftiger Protest gegen die Verschärfung des steirischen Jagdgesetzes kommt vom "Verein Gegen Tierfabriken" (VGT). Deren Obmann Martin Balluch wettert; "TierschützerInnen sollen auf diese Weise mundtot gemacht werden." Tierschutzaktionen gegen die Jagd würden kriminalisiert werden, die Gesetzesinitiative komme aus den Reihen der Jäger.

"Reiner Lobbyismus"

In der ÖVP herrsche "offensichtlich nur noch der reine Lobbyismus, anständige Personen mit christlich-konservativer Werthaltung, die auch den Tierschutz umfasst, haben nichts mehr zu sagen. Wie soll sich, bitte schön, der Tierschutzgedanke in einem zeitgemäßen Jagdgesetz niederschlagen, wenn die ewiggestrige Jägerschaft als Todfeindin des Tierschutzes selbst an der Gesetzgebung sitzt?"

Balluch wirft den steirischen Gesetzgebern auch vor, nach wie vor Tiere für die Jagd zu züchten - was Landtagspolitiker Lackner bestreitet. Es gebe allerdings Zuchtprogramme - etwa mit Fasanen-, mit denen Tiere wieder ausgewildert werden. Aber nur "außerhalb von Jagdzeiten", beteuert Lackner. (Walter Müller, STANDARD, 21.3.2012)

Nachlese:

"Wir sind doch keine narrischen Bambimörder"
Jagdfieber und zu viel Lärm im Holz - Waldrebell Georg Meister und Jägermeister Sepp Brandmayr kamen sich ins Revier

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