Wie sich die USA auf die Untoten vorbereiten

21. März 2012, 06:15
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Endzeitszenario mit Wiedergängern: Ein Boom zwischen Paranoia und Beschäftigungstherapie für gelangweilte Großstadtkids

Die US-amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC entspricht grob dem deutschen Robert-Koch-Institut oder dem österreichischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen. Ihre seriösen Expertisen werden gehört, wenn sich Infektionskrankheiten wie Ehec oder H1N1 ausbreiten. Wovor das CDC vergangenes Jahr erstmals warnte, klang zunächst wie aus dem Drehbuch eines Splatterfilms: Wenn erst Horden von Untoten die Straßen bevölkern, gilt es gerüstet zu sein.

Die Kampagne "Preparedness 101" sollte mit einem Augenzwinkern darauf hinweisen, wie wichtig es ist, auch auf realistischere Katastrophenszenarien vorbereitet zu sein. "Wenn du gut genug ausgerüstet bist, um mit einer Zombieapokalypse umzugehen, dann wirst du auch ausreichend auf Hurrikans, Pandemien, Erdbeben oder terroristische Angriffe vorbereitet sein", lässt CDC-Vositzender Ali Khan auf der eigens eingerichteten Website wissen.

Stumpfe Gewalt in Überlebenskursen

Neben ausreichenden Rationen an Wasser und Nahrung empfiehlt das CDC, ständig einen Notfallkit mit Arzneimitteln, Stanleymesser, Allzweckband und Desinfektionsmitteln zu Hause zu haben. In einem nächsten Schritt rät die Behörde zu einem Krisenplan mit möglichen Fluchtrouten und Treffpunkten für Familienmitglieder.

Den fundamentalen unter den Zombiegläubigen reichen theoretische Pläne und Erste-Hilfe-Koffer nicht. Denn wie sie aus zahlreichen Filmen wissen, ist im Kampf gegen die Untoten wahlweise stumpfe oder scharfe Gewalt gegen das Haupt die effektivste Wahl. Sie sind die Zielgruppe, an die sich die in jüngster Zeit wachsenden Angebote an Überlebenskursen in den USA richtet.

"Zeug, das MacGyver tun würde"

Im zweitägigen Crashkurs "Zombie First Responder" will etwa die Organisation Trackers PDX in den Wäldern Oregons lehren, mit einer Invasion von Wiedergängern umzugehen. Axt- und Schwertwurf stehen genauso auf dem Programm wie Feuermachen ohne Streichhölzer, aber auch "Zeug, das MacGyver tun würde" und eine grundsätzliche Steigerung des persönlichen Badass-Faktors.

Konkurrenzlos ist Trackers PDX damit natürlich nicht. Ein Unternehmen namens Tactical Training Services LLC. fragt auf seiner Website zombiesurvivalcourse.com mithilfe zweier Rufzeichen "Sind Sie bereit für das Ende der Welt am 21. Dezember 2012!!" und gibt gleich implizit die Antwort: Nein, ist man mitnichten, ohne den Wochenendkurs von Freitagabend bis Sonntagnachmittag absolviert zu haben. Der nächste Kurs am 7. April ist ausverkauft.

Verzichtserklärung

Das CDC ist im Übrigen nicht die einzige offizielle Stelle in den Vereinigten Staaten, die die Angst vor den Untoten zu stillen versucht: Das Regionalbüro der Heimatschutzbehörde in Delaware, Ohio, organisierte vergangenes Halloween eine "Zombieübung", um praktische Erfahrungen für den Ernstfall zu sammeln. Teilnehmen durfte freilich nur, wer zuvor eine Verzichtserklärung unterschrieben hatte, sich bei Verletzungen oder Tod an der Behörde schadlos zu halten. Und Polizisten, die die Übung überwachen, sollte man sich bitte nicht mit Drohgebärden nähern.

Das durch fiktive Serien wie "The Walking Dead", Videospiele und Flashmobs angeheizte Interesse am Zombiemotiv macht auch vor den Hörsälen der Hochschulen nicht halt: Zwei Credits erhalten Studierende der Michigan State University, wenn sie "Überleben in der kommenden Zombieapokalypse: Katastrophen und menschliches Verhalten" positiv absolvieren. Im Fokus steht dabei weniger der wirksame Waffeneinsatz gegen Zombieköpfe, sondern vielmehr Sozialpolitik, Gewalt unter Jugendlichen, Armut oder Drogenmissbrauch.

Hart und oft zuschlagen

Die Literatur zum auf einen haitianischen Voodookult zurückgehenden Zombieglauben füllt mittlerweile ganze Regalflächen. Neben Max Brooks' Bestsellern "The Zombie Survival Guide" (2003) und "World War Z: An Oral History of the Zombie War" (2006) stehen nun Bücher wie die Jane-Austen-Parodie "Pride and Prejudice and Zombies" und "Feed". Sie trugen maßgeblich zum Wiedererwachen der Zombiefiktion des 20. Jahrhunderts bei, als mit den Filmen George Romeros oder europäischen Produktionen wie "Ein Zombie hing am Glockenseil" breite Publikumsschichten erreicht wurden.

Von Theoretikern in Kanada wurde der Ausbruch eines Zombievirus indes auch wissenschaftlich unterfüttert: Im Paper "When Zombies attack!: Mathematical Modelling of an Outbreak of Zombie Infection" kommen Philip Munz und Kollegen zu einem Schluss, der den Teilnehmern der Überlebenstrainings in die Hände spielt: Eine Zombieepidemie ist möglich, und wenn die Zivilisation erst zusammengebrochen ist, hilft nur mehr pure Gewalt: "Der effektivste Weg, einen Aufstand der Untoten zu unterdrücken, ist, hart zuzuschlagen und oft zuzuschlagen." (Michael Matzenberger, derStandard.at 21.3.2012)

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    Szenen der Dreharbeiten zur AMC-Serie "The Walking Dead", deren zweite Staffel soeben in den USA zu Ende ging.

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    Ein gehacktes Verkehrsdisplay in Austin, Texas.

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