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19. Juni 2003, 01:48
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...aus der Studie "Alleinerzieherinnen in Wien" der Arbeiterkammer Wien

Die AK Wien ließ 2001 eine Studie erstellen, die die Situation von Alleinerzieherinnen genauer unter die Lupe nehmen sollte. Mit statistischem Material, qualitativen Interviews, Befragungen und unter Mitarbeit von ExpertInnen wurde ein Überblick geschaffen, der als Grundlage für weitere sozialpolitische Maßnahmen dienen sollte und soll. Im Folgenden ein Ausschnitt der Ergebnisse:

Laut Studie gab es 2001 75.000 sogenannte Teilfamilien in Wien, 300.000 in ganz Österreich, 85 Prozent davon waren Mütter mit Kind(ern). Zu mehr als 55 Prozent in Wien und über 40 Prozent in Österreich waren die Teilfamilien durch Scheidung oder Trennung, zu etwa einem Fünftel (Wien), bzw. einem Drittel (Ö) durch Tod des Ehepartners entstanden. In rund einem Viertel der Fälle waren alle Alleinerzieherinnen ledig. Bei knapp 55 Prozent (Wien), bzw. ca. 45 Prozent (Ö) der weiblichen Alleinerzieherinnen lebt zumindest ein Kind unter 15 Jahren.

Berufliche Höchstleistung

Die Erwerbsbeteiligung von Alleinerziehenden ist österreichweit überproportional: Mehr als zwei Drittel mit Kindern unter 15 Jahren gehen einer beruflichen Beschäftigung nach. Bei Ehefrauen mit Kindern sind es im Vergleich ca. 55 Prozent. Die Teilzeitquote ist bei berufstätigen Alleinerzieherinnen mit Kindern unter 15 Jahren in Wien mit 31 Prozent (Österreich: 43 Prozent) um 10 Prozent niedriger als bei Müttern in formal intakter Ehe. Die Zahl der Arbeitsstunden pro Woche ist in der Regel deutlich höher. Wiener Alleinerziehende insgesamt arbeiten laut Europäischem Haushaltspanel im Durchschnitt sogar 44 Wochenstunden. Eine erheblicher Prozentsatz der Alleinerzieherinnen musste außerdem berufliche Abstriche machen um einen "vereinbaren" Job zu bekommen.

Verstärkt arbeitslos

Alleinerzieherinnen mit Kinder unter 15 sind, im Vergleich zu verheirateten Frauen, österreichweit überdurchschnittlich oft arbeitslos. Am stärksten betroffen sind Mütter mit 3-5-jährigen Kindern. Gründe dafür seien vor allem die reduzierte zeitliche und regionale Flexibilität, aber auch das Zögern von Arbeitgebern, Mütter kleinerer Kinder einzustellen. Alleinerzieherinnen haben in unterschiedlichem Ausmaß auch mit Stigmatisierung zu kämpfen - die Vorurteile wirken sich unter anderem ebenfalls bei der Arbeitssuche aus.

Trotz Erwerbstätigkeit liegt das Haushaltsbudget von Alleinerzieherinnen österreichweit um rund 30 Prozent unter jenem aller Haushalte. Die Einkommensnachteile dieser Gruppe nahmen in den 90er-Jahren gemessen an mittleren Einkommen generell deutlich zu. Wohnkosten fallen als Konsequenz meist überproportional ins Gewicht, meist war ja vor allem bei Geschiedenen vorher ein größeres Haushaltsbudget vorhanden.

Vereinbarkeits-Problem

Verstärkt zum Tragen kommt bei Alleinerzieherinnen das Problem Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Laut AK-Studie sind die Organisation der institutionellen Kinderbetreuung und ein privates Netz (Großeltern, Väter, FreundInnen,...) eine unbedingte Voraussetzung für eine positive Arbeitsmarktintegration. Die mangelnde Flexibilität institutioneller Angebote wird von Betroffenen als Belastung angeführt. Vonnöten wären außerdem Teilzeitstellen, die ein hinreichendes Familieneinkommen sichern und trotzdem noch Zeit für Betreuungsaufgaben lassen. Hier wäre eine größere Sensibilisierung in den Unternehmen nötig. Weitere Ansatzpunkte liegen bei Förderungsmaßnahmen zu Wiedereinstieg und Qualifikation, sowie der Aufbau von Netzwerken für Alleinerzieherinnen.

Laut Prognosen wird die Gruppe der Alleinerziehenden in den nächsten Jahren auch in absoluten Zahlen noch weiter wachsen. (red)

"Alleinerzieherinnen in Wien"-
Studie der AK Wien, Juli 2001,

Erhältlich bei:
Frauenreferat der AK Wien, Tel.: 01/501 65-0

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