Erfolgloser Kampf der Schönheitsärztin

13. März 2012, 19:23
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Eine Wiener Ärztin, die oft im TV und in Printmedien auftritt, hat einen prominenten Journalisten geklagt - Der hat in einem kritischen Artikel über das Geschäft mit der Schönheit über sie geschrieben

Wien - Dagmar Millesi hat die Medien ja an sich gerne. So lange sie positiv über sie berichten. Tun sie das nicht, hat die Wiener Schönheitschirurgin sie nicht mehr ganz so gerne. Und klagt. Weshalb sich am Dienstag Richter Stefan Apostol mit übler Nachrede beschäftigen darf. Der Beschuldigte: Journalist und Buchautor Hans Weiss. Der hatte in der "Zeit" einen großen Artikel über Risiken von Schönheits-OPs veröffentlicht. Und führte auch einen Fall an, der die Ärztin, die schon in einer mehrteiligen Dokusoap auftrat und immer wieder in Magazinen Expertisen abgibt, betraf. Die hatte nämlich bei einer Patientin eine Bauchdeckenstraffung durchgeführt. Kurze Zeit darauf starb die Frau an einer Lungenembolie.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen unbekannte Täter wegen fahrlässiger Tötung, ein Gerichtsgutachten kam zu dem Schluss, dass ein kausaler Zusammenhang mit der OP nicht mit der erforderlichen Sicherheit festgestellt werden könne - das Verfahren wurde eingestellt. Womit sich die Tochter der Verstorbenen nicht zufriedengab. Und ein Privatgutachten in Auftrag gab, in dem von Schlampereien und Fehlern die Rede war. Sie kam mit Weiss in Kontakt, der baute in seinen Artikel über Gesundheitsgefahren beim Geschäft mit der Schönheit den speziellen Fall ein. Zitierte aus dem Privatgutachten ebenso wie jenem des Gerichtes. Auf Mails an Millesi antwortete ihr Anwalt, man gebe keine Stellungnahme ab. Aber eine Namensnennung der Ärztin wurde ihm untersagt. Was Weiss ignorierte. Und die 57-Jährige erboste. Sie in Zusammenhang mit verpfuschten Operationen oder gar Todesfällen zu bringen, habe Folgen gehabt, führt sie aus. "Patienten haben Operationen abgesagt, ich habe einen Schaden von 60.000 Euro erlitten."

Ihr Anwalt argumentiert, der Name hätte nicht genannt werden dürfen, da sie keine Person des öffentlichen Interesses sei.Apostol hat es in dem Verfahren nicht ganz leicht. Die inkriminierte Zeitungsausgabe ist aufgeschlagen 80 Zentimeter breit und so etwas unhandlich auf dem Richtertisch. Und Millesis Rechtsvertreter will immer wieder Zeugen und Gutachter laden, was Apostol immer wieder zur Frage veranlasst, was die eigentlich mit dem Verfahren zu tun haben sollen.

Für ihn ist in der Urteilsbegründung für den - nicht rechtskräftigen - Freispruch klar: Weiss habe in "vorbildhafter Weise" gehandelt und die journalistische Sorgfaltspflicht gewahrt. Und Millesi würde "aktiv in den Medien auftreten", sei eine der Prominentesten ihres Faches. Aber Medien berichten eben nicht immer positiv. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 14.3.2012)

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    Operationen zur Bauchstraffung sind potenziell immer gefährlich - auch wenn es um die vermeintliche Verschönerung des Körpers geht. Kritische Berichte darüber können aber vor Gericht enden.

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