Bruno Aigner: Der Mann, der nicht in Pension gehen kann

13. März 2012, 19:07
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Er hat in der Hofburg noch eine Aufgabe, die heißt Heinz Fischer - Die Geschichte eines Mannes, der nicht aufhören kann

Wien - Bruno Aigner feierte am vergangenen Freitag Geburtstag. Seinen 70. Er feierte, weil er dazu gezwungen wurde, von Leuten, die ihm nahestehen. Normalerweise feiert er nicht, beteuert er, diesmal doch. In einem "übersichtlichen Kreis", sagt er, etwa 50 Personen.

Was die wenigsten wissen: Bruno Aigner ist in Pension. Er hängt es nicht an die große Glocke. Aber verteidigt es: Mit 70 werde er wohl dürfen. Den Pensionsantrag hat er im Februar gestellt, jetzt muss er noch bei der Sozialversicherung vorbeischauen. Leicht fällt ihm das nicht. Es sind schon mehrere Nachfragen notwendig, ehe er einräumt: "Ja, ich bin in Pension."

Frühstück im Griensteidl

Man merkt es auch nicht. Aigner geht weiterhin täglich zur Arbeit, als ob nichts wäre. Morgens geht er frühstücken ins Café Griensteidl am Michaelerplatz, dann geht er in die Hofburg, begrüßt den Portier und den Präsidenten, setzt sich zu seiner Kollegin Astrid Salmhofer und nimmt die Arbeit auf. Sie ist für Innovationen und Neue Medien zuständig, er für Erfahrung und Gelassenheit. Ihr gemeinsamer Job: Heinz Fischer.

An Aigners neuem Vertrag, der das auch formal regelt, wird noch gearbeitet. Nicht dass Geld in diesem Zusammenhang wichtig wäre, aber Aigner erwähnt es: Am Ende wird so viel herauskommen, wie er vorher verdient hat. "Am Status des Sprechers des Bundespräsidenten ändert sich aber nichts", beharrt Aigner.

Immer ohne Krawatte

Dieser Status besteht jetzt schon seit 36 Jahren. Bruno Aigner ist der Mann an der Seite von Heinz Fischer. Sein Mitarbeiter in allen Lagen. Sein Markenzeichen: immer ohne Krawatte, egal ob Parlament, Ministerium oder eben Hofburg. Aigner ist auch nicht beleidigt, wenn man ihn als Fischers Sekretär bezeichnet. Besser gefiele wohl: Fischers linke Hand.

Über viele Jahre galt Aigner als der "Querdenker" in der SPÖ. "Das bestreite ich nicht", sagt er heute, nicht ohne Stolz. "Man hat mir diese Punze umgehängt." Tatsächlich hat sich Aigner immer wieder kritisch zu den Vorgängen in der SPÖ geäußert. Dennoch blieb er immer loyal, ein überzeugter Sozialdemokrat, für viele das Gewissen in der Partei. Aigner hatte heftig das Zusperren der Arbeiterzeitung AZ kritisiert, er erhob die Stimme gegen den Abbau der Neutralität. Und er warnte vor der sozialen Kälte, auch vor jener in der SPÖ, vor Einschneidungen im Sozialstaat. "Es wird kälter in diesem Land."

Geworden ist er in der Partei nichts. Nicht dass er nicht gewollt hätte. Er hat sogar kandidiert, bei den Nationalratswahlen 1990 und 1994, Platz 49 und 55 auf der steirischen Liste, viel zu weit hinten. Er hat einen Vorzugsstimmenwahlkampf geführt, auch Prominente wie André Heller oder Pavel Kohout haben ihn unterstützt. Aber das österreichische Wahlrecht ist kein Persönlichkeitswahlrecht, 2500 Vorzugsstimmen haben nicht ausgereicht. Ein Platz im Nationalrat blieb Aigner verwehrt, und die Partei wollte ihn auf der Liste nicht viel weiter nach vorn reihen, da ließ er es sein.

Und ohne Mandat

Also blieb Aigner bei Heinz Fischer. Von 1976 an. Als dieser Klubobmann der SPÖ im Parlament war, als dieser Wissenschaftsminister wurde, als dieser Nationalratspräsident wurde, als dieser Bundespräsident wurde. Seit knapp acht Jahren ist die Hofburg seine Arbeitsstätte. Und soll es noch eine Weile bleiben. "Solange ich psychisch und physisch dazu in der Lage bin", sagt Aigner. Er hat eine Mission: Heinz Fischer. Was er an Fischer so schätzt? Dass er einen wie ihn mag und sein lässt, dass er Widerspruch zulässt. Nur bei einem wie Fischer hätte er so lange bleiben können, bei einem anderen Politiker wäre das nicht möglich gewesen. "Er verteidigt das Prinzip, dass man auch anderer Meinung sein kann", sagt Aigner über Fischer. Was ihm wirklich Respekt abverlangt: dass Fischer auch "in Alternativen denkt". Und vor allem: "Dass er absolut integer ist."

Aigner selbst bezeichnet sich als ein "Produkt der 68er", dennoch konnte er mit Fischer, der einen eher konventionellen Politikertypus darstellt, immer gut. "Wir haben eine hohe Übereinstimmung in der politischen Beurteilung." Den berühmten Ausspruch von Bruno Kreisky über die Konfliktscheue von Fischer - "Immer, wenn abgestimmt wird, ist der Heinzi am Klo" - bestreitet er. "Den Ausspruch hat es nicht gegeben", sagt Aigner, "der hat sich verselbstständigt". Aber es stimme, dass Fischer keiner sei, der auf den Tisch haut. Er suche lieber den Konsens. Privat ist Aigner überkonfessionell mit der grünen Volksanwältin Terezija Stoisits liiert, die beiden haben einen 15-jährigen Sohn. Mag sein, dass auch das späte Vaterglück dazu beigetragen hat, Aigner jung zu halten. In Pension wird er jedenfalls so bald nicht gehen, auch wenn' s formal so auf dem Papier steht. (Michael Völker, DER STANDARD, 14.3.2012)

  • Bruno Aigner, soeben 70 geworden, an seinem Arbeitsplatz in der Hofburg: Seine Aufgabe lautet seit 36 Jahren Heinz Fischer, seit acht Jahren kommt er dieser in der Präsidentschaftskanzlei nach.
    foto: standard/cremer

    Bruno Aigner, soeben 70 geworden, an seinem Arbeitsplatz in der Hofburg: Seine Aufgabe lautet seit 36 Jahren Heinz Fischer, seit acht Jahren kommt er dieser in der Präsidentschaftskanzlei nach.

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