Eine Achttausender-Legende wird 80

12. März 2012, 17:28
26 Postings

Kurt Diemberger gelang Erstbesteigung von Broad Peak und Dhaulagiri

Salzburg - Es gibt da eine Formulierung, die kann Kurt Diemberger im Zusammenhang mit seinem Namen so gar nicht leiden: "Bitte schreib net, der einzige noch lebende Erstbesteiger von zwei Achttausendern." Für ihn klinge das "noch" so, "als wär es bald aus mit mir".

Also, ohne "noch": Kurt Diemberger hat zwei der 14 Achttausender erstbestiegen, 1957 mit einer Salzburger Expedition den Broad Peak (8051 m) und 1960 mit einer Schweizer Expedition den Dhaulagiri (8167 m). Neben Diemberger ist die Erstbesteigung zweier Achttausendern nur Hermann Buhl - Nanga Parbat und Broad Peak - gelungen. Hermann Buhl ist im Juni 1957 an der Chogolisa nach einem Wechtenbruch tödlich verunglückt. Diemberger feiert am Freitag seinen 80. Geburtstag.

Es hätte freilich auch ganz anders kommen können. Auf der Chogolisa im pakistanischen Karakorum 1957 etwa, als Diemberger nur wenige Schritte hinter Buhl war und plötzlich der Boden zitterte: Eine große Wechte war gebrochen und riss Buhl mit in die Tiefe. Buhls Leichnam ist bis heute unauffindbar.Oder 1986, als Diemberger gemeinsam mit seiner Partnerin Julie Tullis und anderen Bergsteigern tagelang von einem Sturm auf dem K2 auf rund 8300 Meter Höhe festgehalten wurde. Tullis starb an Erschöpfung, Diemberger konnte sich gemeinsam mit dem Oberösterreicher Willi Bauer ins Tal retten. Mehrerer abgefrorene Finger an seiner rechten Hand zeugen bis heute von den dramatischen Ereignissen im " schwarzen Sommer" auf dem K2.

"Schaumrolle"

Dass der in Villach Geborene aber überhaupt zur Himalaya-Legende mit rund 30 Expeditionen werden konnte, verdankt er einem alpinistischen Husarenstück in den Alpen. 1956 gelang Diemberger mit zwei weiteren Bergsteigern die Durchsteigung der "Schaumrolle" genannten Riesenwechte über der Nordwand der Königspitze in der Ortlergruppe. Die rund 25 Meter über den Abgrund hinausragende Wechte ist längst dem Klimawandel zum Opfer gefallen.

Für den heute in Salzburg und in der Nähe von Bologna lebenden Diemberger aber war sie damals der Schlüssel zum Expeditionsbergsteigen und zum Berufsbergsteigertum. Hermann Buhl sei nach der Durchsteigung der "Schaumrolle" auf ihn aufmerksam geworden und habe ihn dann zum Broad Peak mitgenommen, errinnert sich Diemberger.

Und auf dem Broad Peak schrieb er dann mit Buhl, Marcus Schmuck und Fritz Wintersteller Alpingeschichte. Statt der bis dahin üblichen Materialschlacht an den höchsten Bergen der Welt wurde erstmals ein Achttausender im " Westalpenstil" ohne künstlichen Sauerstoff oder Hochträger bezwungen. Eine Novität war übrigens auch die Dhaulagiri-Unternehmung. Zum ersten Mal wurde ein Gletscherflugzeug für den Materialtransport verwendet. Trotz dieses Erfolges und trotz der Erstbesteigung des Dhaulagiri drei Jahre später arbeitete der promovierte Betriebswirt noch bis Ende der 1960er-Jahre als Handelslehrer in Salzburg. Erst zehn Jahre nach dem Broad Peak konnte Diemberger darangehen, seinen Lebensunterhalt mit Büchern, Vorträgen und als Kameramann bei Expeditionen zu bestreiten. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 13.3.2012)

  • Vom Wetter gezaust: Bergveteran Kurt Diemberger.
    foto: diemberger

    Vom Wetter gezaust: Bergveteran Kurt Diemberger.

Share if you care.