Kooperation von Staatsarchiv und Heeres-Museum völlig offen

11. März 2012, 12:22
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Sektionschef Matzka: "Nicht vorschnell festlegen" - Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums skeptisch

Wien - Das Österreichische Staatsarchiv steht vor großen Umwälzungen. Die Bundesregierung will im Zuge des Sparpakets das Bundesministeriengesetz dahingehend ändern, dass man "durch eine Verstärkung der Zusammenarbeit und Koordination des Österreichischen Staatsarchivs mit den Bundesmuseen im Bereich der Vermittlung der Geschichte Österreichs synergetische Effekte erzielt". Konkret wurde die Zusammenlegung mit dem Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) ins Auge gefasst. Dessen Direktor Christian Ortner zeigt sich zurückhaltend: "Auf den ersten Blick kann ich die Synergien nicht erkennen." Auch der Langzeit-Generaldirektor des Staatsarchivs, Lorenz Mikoletzky, über dessen Nachfolge in Kürze entschieden wird, ist skeptisch bezüglich der erhofften Kostenreduktion.

Form der Zusammenarbeit unklar

HGM-Chef Ortner wurde vor der Präsentation des Sparpakets nicht von den sein Haus betreffenden Vorhaben informiert: "Bevor das Ganze veröffentlicht wurde, hat man mit mir nicht gesprochen." Ob es bei dieser von politischer Seite betriebenen Zusammenarbeit allerdings um eine Kooperation oder gar eine Fusion gehen soll, scheint derzeit noch weitgehend offen. "Da soll man sich nicht vorschnell festlegen", unterstreicht der im Bundeskanzleramt zuständige Sektionschef Manfred Matzka. Es sollten nun die Führungen der beiden Häuser in den großen Veränderungsprozess eingebunden werden: "Und die müssen dann entscheiden, wie weit man bei diesem Kontinuum von 0 bis 100 geht."

Synergetische Möglichkeiten

Wichtig sei, dass zentrale Dokumente aus dem Archiv, wie die Schlussakte des Wiener Kongresses, auch öffentlich gezeigt würden. "Die einen haben viel zum Herzeigen, die anderen haben ein Museum", sieht Matzka zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten zwischen Staatsarchiv und HGM: "Und ob ein militärgeschichtliches Museum heute noch die Attraktivität hat oder ob man nicht gut daran täte, einen breiteren Fokus zu suchen, ist sicher eine Frage." Auch Einsparungsmöglichkeiten sieht der Sektionschef durchaus: "In beiden Institutionen sitzen Historiker, und wenn sie an die Restaurierung denken, wenn sie an die archivalische Aufbewahrung denken - da gibt es schon etliches an synergetischen Möglichkeiten."

"Zwei komplett verschiedenen Bereiche"

Staatsarchiv-Doyen Mikoletzky ist da anderer Ansicht: "Einsparungen für den Staat sehe ich nicht. Bei der Restaurierung etwa ist das Staatsarchiv auf Papier spezialisiert, im Heeresgeschichtlichen Museum hingegen auf Uniformen und Fahnen. Ich fürchte also nicht um das Österreichische Staatsarchiv." In die gleiche Kerbe schlägt auch Christian Ortner: "Ich zeige mich skeptisch, weil wir zwei komplett verschiedene operative Bereiche bedienen."

Verklausuliert findet sich jedoch bereits im Ausschreibungstext zur neuen Staatsarchivleitung der Hinweis auf geplante Veränderungen, wenn "Erfahrungen in der Durchführung größerer Change-Management-Projekte" gewünscht werden. Die am 4. Februar veröffentlichte Ausschreibung brachte "mehr als ein Dutzend Bewerbungen - und zwar gehaltvolle", freut sich Matzka. Das Interesse sei überdurchschnittlich, wobei sich etwas weniger Frauen als Männer beworben hätten. Eine Festlegung der zuständigen Kommission erwarte er jedenfalls in naher Zukunft: "Es würde mich wundern, wenn man nicht im Laufe des März zu einer Entscheidung käme."

Übrigens wird auch in den Niederlanden das Staatsarchiv mit einer anderen Institution verschmolzen. Dort ist es allerdings die Nationalbibliothek.

Verwaltungsarchiv und Militärgeschichtsort

Im Staatsarchiv sind Dokumente der Verwaltung auf Bundesebene archiviert. Es gliedert sich in vier Abteilungen: Das Archiv der Republik, das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, das Allgemeine Verwaltungsarchiv/Finanz- und Hofkammerarchiv sowie das Kriegsarchiv. Bis ins Jahr 816 reicht dabei der Bestand der babenbergisch- habsburgischen Urkundensammlung zurück. Die gut 100 Mitarbeiter des Staatsarchivs betreuen dabei etwa 183.700 Regallaufmeter. Dazu kommt die Archivbibliothek, in welcher sich weitere 800.000 Werke finden. Das Staatsarchiv ist als nachgeordnete Dienststelle dem Bundeskanzleramt unterstellt.

Das Heeresgeschichtlichen Museums in Wien wurde 1856 eröffnet, es befindet sich inmitten des Arsenals nahe dem künftigen Hauptbahnhof. Mittlerweile präsentiert sich in dem Bau von Theophil Hansen und Ludwig Foerster österreichische Militärgeschichte von der Habsburgermonarchie ab Ende des 16. Jahrhunderts bis zur Zweiten Republik nach 1945. Das Heeresgeschichtliche Museum untersteht dem Verteidigungsministerium. (APA, 11.3.2012)

  • Archiv der österreichischen Militärgeschichte: Heeresgeschichtliches Museum
    foto: standard/urban

    Archiv der österreichischen Militärgeschichte: Heeresgeschichtliches Museum

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