Niqab-Streit: Minister desavouiert Uni-Rektor

8. März 2012, 15:40
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Salafisten wollen Hochschulen bevormunden - Regierung schaut weg

Tunis - Wegen seines Vorgehens gegen das nach geltendem Gesetz im öffentlichen Raum nicht zulässige Tragen des Niqab (islamischer Gesichtsschleier) durch Studentinnen ist der Rektor der Universität Manouba, westlich von Tunis, vom tunesischen Unterrichtsminister gerügt worden. Rektor Habib Kazdaghli sei unfähig, das Problem zu lösen, erklärte Unterrichtsminister Moncef Ben Salem am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Tunis. Die tunesische Regierung wird von der islamistischen Ennahda-Partei dominiert.

Salafistische Gruppen verlangen Tragen des Niqab

"An den 193 Hochschulinstitutionen Tunesiens gibt es insgesamt 96 Niqab-Trägerinnen, aber Probleme gibt es nur in Manouba", sagte der Minister. Auch würden tunesische Professoren problemlos in arabischen Golfstaaten unterrichten, wo sämtliche Studentinnen verschleiert wären. Eine Entscheidung müsse letztlich die Konstituierende Nationalversammlung treffen, meinte Ben Salem. Ennahda hatte die Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung vom 23. Oktober mit einem Stimmenanteil von 41,47 Prozent gewonnen und regiert in einer Koalition mit zwei kleinen säkularen Parteien.

Die Universität von Manouba mit 13.000 Studenten ist seit drei Monaten Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen, weil salafistische Gruppen von den Studentinnen das Tragen des Niqab verlangen. Die Rektoren der Universitäten von Sousse, Manouba, Sfax, Kairouan und Tunis hatten die Regierung aufgefordert, Maßnahmen gegen Einschüchterung und Gewalt zu ergreifen. (APA)

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