CSI Perg ermittelt am Tatort Schule

6. März 2012, 19:08
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IV Teacher's Award: Zwischen Dietmar Chodura und seinen Schülern stimmt die Chemie

Wien - In Las Vegas, Miami und New York ermitteln sie seit Anfang 2000: CSI-Teams, die Tatortgruppen der Kriminalpolizei: Crime Scene Investigation. 2008 bekamen die amerikanischen TV-Kollegen einen "Ableger" in Österreich. CSI Perg fragte erstmals: "Gibt es den perfekten Mord?"

Tatort war die Polytechnische Schule (PTS) Perg und "Teamleiter" Dietmar Chodura. Eigentlich ist er ja Lehrer. Einer, der seit Jahren durch lebensnahe Projekte das naturwissenschaftliche Interesse seiner Schüler anfachen will. Da drängte es sich fast auf, eine Tatortgruppe Chemie zu gründen. "Emotionalisierung der Lernverhältnisse" nennt Lehrer Chodura das.

Er ist einer der Sieger (Sekundarstufe II) des diesjährigen Teacher's Award der Industriellenvereinigung (iv-teachersaward.at), der Montagabend zum vierten Mal im Haus der Industrie verliehen wurde und "herausragende pädagogische Leistungen und Vorbilder für die Schulentwicklung Österreichs" honoriert.

Weitere Sieger: Sprachenvolksschule Josefstadt Wiener Neustadt (Grundstufe); Doris Hackl und Daniel Aniser, Neue Mittelschule 2 Wörgl (Sekundarstufe I); und der Sonderpreis im Bereich Kreativität, Innovation und Technologie für Nina Hauch, Hauptschule Steinerkirchen an der Traun.

Choduras Schüler hinterließen Spuren, sammelten Haare, nahmen Speichelproben und analysierten auch den eigenen DNS-Fingerprint in den Labors der Fachhochschule Hagenberg. Für Schüler, die bei Chodura in der Regel das letzte Schuljahr ihres Lebens absolvieren, eine besondere Erfahrung. Für ihn Teil seines pädagogischen Auftrags: "Ich will ihnen neben der soliden Grundbildung eine lebensbrauchbare Berufsorientierung mitgeben."

Ein anderes Projekt, "Chemie und Gesundheit" (2000), das Chodura mit einer PTS-Klasse durchführte, reihte eine Jury des Verbands der Europäischen chemischen Industrie auf Platz eins. "Das war ein doppeltes Erfolgserlebnis für die Schüler", erzählt Chodura über diese Lebensmittelanalyse. "Sie entdeckten damals in einem Marken-Ketchup eine zu hohe Konzentration des Konservierungsmittels ,Benzoesäure‘, obwohl das als frei von Konservierungsstoffen deklariert war - und der Konzern hat darauf sogar reagiert und es entfernt, obwohl Benzoesäure nicht schädlich ist."

"Stiefmütterlich behandelt"

Wenn der in Linz gebürtige Lehrer spricht, merkt man eine Freude am Beruf, die unangekränkelt ist von irgendwelchem öffentlichen Lehrer-Bashing oder sonstigen Schuldebatten: "Die Arbeit mit jungen Menschen macht unglaublich viel Spaß. Es ist faszinierend und ein Privileg, neue Generationen heranbilden zu können." Das tut der 40-Jährige übrigens auch in höchst eigener Sache - als Vater eines fünfjährigen Sohnes.

Zur Bildungspolitik merkt er nur generell an, dass sein Schultyp, "das Poly", wie es früher hieß, "stiefmütterlich behandelt wird, obwohl er eine unglaublich wichtige Rolle im dualen Bildungssystem spielt". Rund 22.000 Schülerinnen und Schüler werden jährlich in den PTS auf eine Lehre und das Berufsleben vorbereitet - also in "Berufsbasisschulen".

Und weil Dietmar Chodura so ein begeisterter Lehrer ist, will er mit seiner Arbeit nicht nur seine Schüler packen, sondern auch angehende Lehrer. Nach der Chemie-HTL in Wels absolvierte er die Pädagogischen Akademie und qualifizierte sich für das PTS-Lehramt (Chemie, Informatik, Elektro- und Metalltechnik), ein paar Jahre in der chemischen Industrie finden sich auch in seiner Biografie, und schließlich promovierte er noch an der Uni Salzburg im Bereich Schulpädagogik.

Seit 2007 pendelt der Doppel-Lehrer zwischen PTS Perg und Pädagogischer Hochschule (PH) Wien: "Diese Kombination - Schüler auf die Lehre vorbereiten und Studierende auf das Lehren - ist ein sehr befriedigender Beruf, und beide, PTS-Schüler wie PH-Lehrer, profitieren davon."

"Job" würde Chodura nie sagen, denn - "auch wenn das fast kitschig klingt" - er macht seinen Beruf "aus Berufung". Und was ist nun für den ausgezeichneten Lehrer Dietmar Chodura ein "guter Lehrer"? "Fachlich fit, selbstverständlich, aber er muss vor allem mit Freude und Leidenschaft Lehrer sein, dann kann er methodisch gar nicht so viel falsch machen."

Freude macht Dietmar Chodura das Lehrersein. Und fachlich-methodisch macht er offensichtlich auch sehr viel richtig. Erfolgreich ins Leben gestartete Schüler sind ein guter Beweis. Und der Teacher's Award? Macht Freude.(Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2012)

  • "Emotionalisierte Lernverhältnisse": Dietmar Chodura (2. v. li.) und seine Schüler im Labor.
    foto: pts perg

    "Emotionalisierte Lernverhältnisse": Dietmar Chodura (2. v. li.) und seine Schüler im Labor.

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