Blauracken kotzen sich bei Angst an

7. März 2012, 06:15
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Furcht kann speiübel machen: Spanische Forscher entdeckten, dass Blaurackenküken bei Gefahr eine orange Substanz erbrechen

Blauracken (auch Mandelkrähen genannt) sind dank ihres türkisblauen Gefieders kaum zu verwechseln. Der etwa hähergroße Vogel kommt vor allem im südlichen und südöstlichen Europa vor, aber auch in Nordafrika und Asien. In Österreich brütet die extrem auffällige Vogelart, die ihren Namen den charakteristischen "Rak"-Rufen verdankt, nur im Raum Stainz bei Straden in der südöstlichen Steiermark.

In Spanien hingegen ist sie weit verbreitet. Und dort hat ein Vogelkundlerteam um Deseada Parejo vom Forschungsinstitut CSIC-EEZA in Almería herausgefunden, dass Blaurackenküken eine orange Flüssigkeit ausspeien, wenn sie in ihren Nistkästen gestört werden. Die erste Vermutung der Forscher war, dass die Substanz womöglich Fressfeinde durch widerlichen Geschmack abschrecke. Diese Hypothese müsse allerdings noch bestätigt werden, schreiben die Ornithologen in den "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Belegen konnten die Forscher hingegen, dass die "Spucke" den Eltern als Warnsignal dient. Die Wissenschafter hatten dafür neun Nistkästen mit Küken, von denen das älteste jeweils zehn Tage alt war, innen mit einem Milliliter der ausgespienen Flüssigkeit bestrichen. Das Verhalten der Blaurackeneltern wurde jeweils davor und danach gefilmt und ausgewertet.

Wie sich zeigte, flogen die Elterntiere die nach dem Erbrochenen riechenden Nester deutlich zögerlicher an und versorgten die Küken vorsichtiger und zurückhaltender mit Futter. Bei zum Vergleich mit Zitronenessenz bestrichenen Nestern zeigte sich kein solcher Effekt. Die Ergebnisse seien ein weiterer Beleg dafür, dass der Geruchssinn sehr wohl auch bei Vögeln große Bedeutung besitze, folgern die Forscher.

Der "Geruch der Angst" sei bei vielen Tierarten und auch beim Menschen, der bei Gefahr verstärkt zu schwitzen beginne, ein wichtiges Signal. Nicht nur Säugetiere, sondern etwa auch Insekten gäben bei Gefahr spezielle Substanzen ab. Von Eissturmvögeln wiederum sei bekannt, dass sie sich gegen Nesträuber verteidigen, indem sie diese mit einer öligen Substanz aus dem Magen bespeien. (tasch, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 7.3.2012)

  • Wittern Blaurackenküken Gefahr, sondern sie eine seltsam riechende 
Substanz ab, die jedenfalls ihre Eltern, womöglich aber auch feindliche 
Tiere abschreckt.
    foto: nadia silva

    Wittern Blaurackenküken Gefahr, sondern sie eine seltsam riechende Substanz ab, die jedenfalls ihre Eltern, womöglich aber auch feindliche Tiere abschreckt.

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