Wo das Fleisch wächst

Einserkastl4. März 2012, 18:58
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Schnitzel und Co werden längst in automatisierten Mastfabriken produziert

Die Rinder, aus denen unsere Tafelspitze geschnitten werden, durften auf saftigen Weiden grasen, in die Sonne blinzeln und sich ein Plätzchen suchen, wo sich's gut wiederkäuen lässt.

I wo. Das ist natürlich Humbug und hat mit der Wirklichkeit nichts gemein. Die Mengen an Fleisch, die wir Wohlstandsmenschen Tag für Tag zu einem Teil unseres Selbst machen, sind auf derart altmodische Weise nicht zu produzieren.

Dass dennoch viele an so ein Heile-Welt-Szenario glauben, spricht für die Macht der Werbung, die das mit Begriffen wie Bauernhofgarantie suggeriert - aber auch für die kollektive Amnesie, mittels derer wir uns die Wirklichkeit vom Leibe halten.

Schnitzel und Co werden längst in automatisierten Mastfabriken produziert, auch wenn Tiere - noch - einen Teil dieser Maschinerie bilden müssen.

Nun aber ließ ein niederländischer Wissenschafter verlauten, dass er noch heuer einen Hamburger aus in Petrischalen gezüchtetem Laborfleisch zu braten gedenkt. In zehn bis 20 Jahren könnte demnach ein wesentlicher Teil der Fleischversorgung aus derart tierfreier Produktion stammen.

Eine gespenstische Vorstellung. Dennoch: Im Vergleich zu den unwürdigen Zuständen, unter denen Fleisch aktuell heranwächst, könnte das tatsächlich ein Fortschritt sein. Und geschmacklich? Mit dem saftelnden Fadfleisch, das auf Styroporschalen im Supermarkt verramscht wird, sollte es allemal mithalten können. (DER STANDARD; Printausgabe, 5.3.2012)

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