Mann, oh Mann

Einserkastl29. Februar 2012, 18:54
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Markus Beyrer ist beruflich gesehen eigentlich zwei Männer, in einer Person.

Der Chef der Verstaatlichtenholding ÖIAG, Markus Beyrer, ist ein bemerkenswerter Mann. Beruflich gesehen eigentlich zwei Männer, in einer Person. Mann eins ist als ÖIAG-Chef Telekom-Aufsichtsratspräsident und als solcher vor allem mit der Aufarbeitung des beinahe unbeschreiblichen Telekom-Austria-Skandals betraut. Eine Aufgabe, in der es ums Eingemachte geht und die schon ohne die akuten Telekom-Probleme (Verluste, Einstieg von Unternehmens-Ein- und -Wiederverkäufer Ronnie Pecik) haarig genug wäre. Mann zwei ist Exgeneralsekretär der Industriellenvereinigung, eines "privaten Vereins", wie Beyrer betont. Mann zwei nahm ab und zu an Telekom-Mensdorff-Pouilly-Jagdausflügen teil, pflegte enge Kontakte zu den damaligen Telekom-Spitzenkräften, die heute im Rampenlicht der Affäre stehen. Die Annahme von Einladungen sei ihm (Mann zwei also) "nicht nur erlaubt" gewesen, " sondern wurde auch von mir erwartet", wie Beyrer jüngst ausführte. Das wird schon stimmen. Und wäre auch kein Problem, hätte Beyrer nicht den Job gewechselt und müsste nun nicht jenen nachpirschen, mit denen er es einst auf der Gratispirsch oder sonst wo lustig hatte. Befangen? Keine Spur, sagt Mann eins, der seine Existenz als Mann zwei offenbar an der Garderobe abgegeben hat.
Optik? Unvereinbarkeit? Vorbildwirkung gar? Mann, oh Mann, wir sind in Österreich, in der Verstaatlichten. (DER STANDARD, Printausgabe,29.02.2012)

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