Deutschland gehen die Akademiker aus

29. Februar 2012, 13:59
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Bildungsexperten fordern radikales Gegensteuern der Regierung, um Akademikerquote deutlich zu erhöhen

Wien/Berlin - Führende deutsche Bildungsexperten wenden sich mit einer eindringlichen Warnung an die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel: Weil dem Land die massenhafte Verrentung von Akademikern knapp bevorsteht, droht Deutschland ein massiver Mangel eben an Akademikern. Das schreiben die sechs sogennanten Forschungsweisen - offiziell: "Expertenkommission Forschung und Innovation" - in einem Gutachten an die Bundesregierung, berichtet "Spiegel Online".

Angesichts des sonst eher zurückhaltenden Stils der Wissenschaftler nimmt sich ihr Appell einigermaßen dramatisch aus: Deutschland müsse seine Hochschulen so schnell wie möglich für Weiterbildungen älterer Arbeitnehmer und Auszubildender öffnen. Anders gesagt: Aus dem Gutachten der Forschungsweisen lässt sich die Forderung nach einer Gesellen- und Weiterbildungsuni ableiten.

Hochschulbildung auch ohne Abitur

Die Bundesregierung wies Kritiker bisher mit dem Hinweis auf das gut funktionieriende duale Ausbildungssystem in die Schranken: Da deutsche Lehrlinge sehr gut ausgebildet werden, sei es nicht fair, die deutsche Akademikerzahl mit anderen Staaten zu vergleichen. Das neue Gutachten der sechs Bildungsexperten aus Zürich, München, Singapur, Straßburg und Hohenheim besagt aber, dass das nicht mehr ausreicht. Es gelte, "die Flexibilität des deutschen Bildungssystems zu erhöhen". Ausgelernte Azubis und über 40-Jährige sollen künftig die Möglichkeit haben, an Unis zu studieren - auch ohne Abitur.

Die aktuelle Kritik an der deutschen Akademikersituation hat deswegen besonderes Gewicht, weil die "Expertenkommission Forschung und Innovation" Merkels eigenes Expertengremium ist. (red, derStandard.at, 29.2.2012)

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