Brustkrebs auch bei Männern

13. Juni 2003, 12:18
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Durch fehlendes Bewusstsein wird ein Tumor oft sehr spät entdeckt

Frankfurt/Main - Jedes Jahr erkranken knapp 50.000 Frauen in Deutschland neu an einem so genannten Mammakarzinom. Doch Brustkrebs ist nicht nur eine reine Frauensache. Auch Männer verfügen über eine kleine Brustdrüse, in der sich ein Tumor entwickeln kann. "Jährlich wird bundesweit bei bis zu 400 Männern Brustkrebs festgestellt", sagt Manfred Kaufmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Uniklinikum Frankfurt/Main.

Auch wenn die Krankheitsursachen bei beiden Geschlechtern gleich seien, gebe es einen wichtigen Unterschied: "Die Diagnose wird bei Männern eher noch verschleppt", betont Kaufmann. Denn nicht nur das vermeintlich starke Geschlecht, sondern auch viele Ärzte dächten bei Auffälligkeiten an der Brust zu selten an einen Tumor. Die Folge sei, dass die bösartige Krankheit oft spät entdeckt werde und sich damit die Heilungschancen verringerten.

Erfahrung

"Ich habe mit so etwas nicht gerechnet. Den Knoten in meiner Brust hielt ich für ein entzündetes Haar", sagt der 55-jährige Matthias Stoll aus Adendorf bei Lüneburg. Zum Glück habe seine Frau ihn damit zum Arzt geschickt. "Dabei wollten wir noch in den Urlaub fahren", berichtet der Versicherungskaufmann. Dann wäre es jedoch womöglich zu spät gewesen. Denn die Ärzte stellten bei Stoll einen sehr bösartigen Tumor fest, mit dem er womöglich nur noch neun Monate zu leben gehabt hätte.

"Ich kann nur jedem raten, Knoten in der Brust untersuchen zu lassen", sagt der 55-Jährige heute. Aber auch farbliche Veränderungen an der Brust, Blutungen an der Warze, ein Ekzem oder auch eine eingefallene Brustwarze können Kaufmann zufolge Hinweise auf eine Tumorerkrankung sein. Oft bestehe ein Knoten aber nur aus harmlosem Fett. Um die Diagnose zu untermauern, können daher eine Mammographie und eine Gewebeprobe angebracht sein.

Behandlung

"Das Behandlungsspektrum umfasst neben der Operation und der Lymphknotenentfernung auch die Strahlenbehandlung, die Chemotherapie und die Gabe von Antiöstrogenen", sagt Kaufmann. Jede Therapie habe dabei unterschiedliche Nebenwirkungen. "Die Antiöstrogene haben bei mir zu typischen Wechseljahrebeschwerden mit plötzlichen Schweißausbrüchen geführt", berichtet Stoll. Das habe er jedoch mit anderen Medikamenten wieder in den Griff bekommen.

Die Ursachen für eine Brustkrebserkrankung sind bei Männern und Frauen gleich. "Mit zunehmenden Alter ab 50 erhöht sich bei beiden Geschlechtern das Tumorrisiko", sagt Kaufmann. Außerdem könnten hormonelle Veränderung und Erbfaktoren bei der Entstehung einer Brustkrebserkrankung eine Rolle spielen. In fünf bis zehn Prozent aller Fälle sind nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg die Brustkrebsgene BRCA1 und BRCA2 für die Erkrankung wesentlich mitverantwortlich. (APA/AP)

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