Mit Traktor und Rustikal-Rap zum Song Contest

26. Februar 2012, 18:59
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Lukas Plöchl & Manuel Hoffelner (Trackshittaz) fahren nach Baku

Worüber haben die Finnen Lordi anno 2006 gesungen, als sie den Song Contest gewonnen haben? Oder die Griechin Elena Paparizou (2005)? Marija S erifoviciti aus Serbien (2007)? Tja. Beim Eurovision Song Contest zählen eher der Sound und die Show. Und deshalb wird am 26. Mai in Aserbaidschans Hauptstadt Baku ein Heer an neuen Fans nichtsahnend, aber umso entschlossener zu Woki mit deim Popo shaken. Mit diesem Lied haben Trackshittaz - im zweiten Anlauf nach 2011 - die Österreich-Auswahl für den Song Contest 2012 gewonnen. Und wie es sich für gestandene Landeier gehört, wollen die zwei jungen Herren aus Oberösterreich dorthin mit dem Traktor fahren. So hat es Lukas Plöchl (22) nach dem Sieg am Freitagabend angekündigt.

Das Aufwachsen und Jungsein im Mühlviertel samt dem dazugehörigen Dialekt sind der Grundstoff ihrer Musik. Lieder wie Schüdkrötngaung oder Guuuggarutz versteht zur Gänze nur, wer auch was vom professionellen Ackerbau weiß. Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner aus Freistadt haben das Wirtschaftsstudium an den Nagel gehängt bzw. gar nicht erst damit begonnen und sich baldmöglichst nach Schulabschluss ganz dem rustikalen Rap gewidmet. Nach den ersten drei Alben Oidaah pumpn muas's, Prolettn feian längaah und Zruck zu de Ruabm (auf dem sich das Contest-Lied befindet) könnte man glauben, das Mühlviertel sei so Gangsta-mäßig und prekär wie ein durchschnittliches US-Ghetto. Plöchl weiß aber, wovon er spricht: "Renn einem Bauern über die nicht gemähte Wiese - dann wird's gefährlich!"

Die Hits sind voller sarkastischem Schmäh, machoid und durchwegs ordinär (auf "Tennis" reimt man "Penis"), doch das stört niemanden aus der ultrajungen Fangemeinde. Lukas-Plöchl-Frisuren sind zumindest im Raum Oberösterreich unter Sechsjährigen sehr angesagt. Plöchl, ein Mühlviertler mit chinesischem Vater, ist der aufgewecktere der beiden, mit Workaholic-Gemüt, und dieses befiehlt ihm trotz eines Burnouts im letzten Jahr, im kommenden Herbst gleich seine erste Soloplatte herauszubringen.

Wenn Trackshittaz tatsächlich mit dem Traktor nach Baku fahren, dann wird der Popo schon vorher ordentlich durchgewokit sein. Vielleicht zahlt es sich ja aus. Da in Krisenzeiten das Verlangen nach Party groß ist, stehen sie mit ihrem Sound gar nicht schlecht da. "Zruck zu de Ruabm" können sie noch immer. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD/Printausgabe 27.2.2012)

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    Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner.

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