T-Mobile Austria: Weniger Umsatz, weniger Gewinn, aber mehr SIM-Karten

24. Februar 2012, 12:37
18 Postings

Firmenchef Chvatal: Wir investieren, und Google "kommt zum Lunch"

Weniger Umsatz, weniger Gewinn, aber mehr SIM-Karten: So kann T-Mobile Austria das Geschäftsjahr 2011 beschreiben. Der Umsatz ist 2011 von 983 Millionen Euro auf 924 Millionen Euro gesunken. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) schrumpfte im Vergleich zu 2010 von 283 Millionen Euro auf 253 Millionen Euro. Gleichzeitig ist die Zahl der Kunden, genauer gesagt die Zahl der benutzen SIM-Karten, um 7,5 Prozent auf 4,06 Millionen gestiegen. Für Wachstum sorgt hauptsächlich mobiles Internet. Der durchschnittliche Gesprächsumsatz pro Kunde (ARPU) lag im vergangenen Jahr bei 18 Euro je Monat. 2010 lag dieser noch bei 21 Euro.

Die "ruinöse Preisschlacht"

Trotz des Preiskampfes unter den heimischen Mobilfunkern sei T-Mobile ein "stabiler Player", sagte Firmenchef Robert Chvatal im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. Tarifsenkungen und die "ruinöse Preisschlacht" unter den heimischen Mobilfunkern trügen die Hauptschuld an den Rückgängen. Ein Ende des Wettbewerbs sei trotz der Übernahme von Orange durch "3" nicht in Sicht. 

Chavtal befürchtet Dominanz am Datennetzsektor

Zur geplanten Fusion von Orange und "3" meinte Chvatal, die Konsolidierung am österreichischen Markt sei erwartet worden und richtig. In diesem kapitalintensiven Geschäft sei es schwierig, mit kleinen Marktanteilen große Investitionen durchzuführen. Er erwarte sich von den Regulierungsbehörden eine "faire Entscheidung" hinsichtlich möglicher Auflagen. Chvatal befürchtet vor allem eine Dominanz am Datennetzsektor. Andere Themen seien "Frequenzen" und "nationales Roaming". "Wir werden uns positionieren, wenn alles auf dem Tisch liegt", meinte dazu Finanzchef Wolfgang Kniese.

Heuer dürfte der heimische Mobilfunkmarkt um sechs Prozent und damit stärker als der europäische Markt schrumpfen, erwartet Chvatal. Am österreichischen Markt gebe es ein Überangebot und er sei überreguliert. So gebe es zum Beispiel die gesetzliche 60-Euro-Obergrenze in anderen Ländern nicht.

Amigo-Wirtschaft

Zur "Amigo-Wirtschaft" von A1 merkte Chvatal an, dass T-Mobile immer auf Fair Play gesetzt habe. T-Mobile Austria werde langfristig davon profitieren, dass die Geschäftsmodelle der österreichischen Mobilfunkanbieter nicht nachhaltig seien.

LTE

Sollten die Umsatz- und Ergebnisrückgänge in diesem Ausmaß anhalten, werde es schwer sein, das bisherige jährliche Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Euro aufrechtzuerhalten. 2011 wurden 102 nach 116 Mio. Euro investiert. Die "Kostenbasis" werde man auch mit natürlichen Fluktuationen bei den Mitarbeitern anpassen können. 2011 seien bereits einige Positionen nicht mehr nachbesetzt worden, der Personalstand von 1.300 auf 1.250 Mitarbeiter reduziert worden. Weiter investieren will Chvatal jedenfalls in die nächste Generation des Mobilfunknetzes (LTE) und das nationale Roaming. Zu Letzterem wurde im Dezember 2011 eine langfristige Kooperation mit Hutchsion 3G Austria ("3") abgeschlossen.

"Österreich ist noch immer ein Paradies für Mobilfunk", so Chvatal. Die Marktdurchdringung mit SIM-Karten sei im Vorjahr von 146 auf 153 Prozent gestiegen, jene für das mobile Internet von 21 auf 25 Prozent. Gleichzeitig hätten sich die Marktanteile der Anbieter kaum geändert, A1 Telekom Austria liege bei 41 Prozent, T-Mobile bei 31 Prozent, Orange bei 18 Prozent und "3" halte bei neun Prozent.

"Wir investieren, und Google kommt zum Lunch"

Aufhorchen ließ der T-Mobile-Chef mit Aussagen zum Thema Netzneutralität: "Mobilfunker betreiben ihre Netze für zahlende Kunden." Damit spielte er auf Internetgrößen wie Google an, die "zum Lunch" kämen, während Netzanbieter die Kosten für Investitionen tragen müssten. Dementsprechend kann er sich Einschränkungen bei der Bereitstellung von bestimmten Services vorstellen. Es gehe um "Fairness", und Chvatal stellte auch die Frage in den Raum, "wie viele Arbeitsplätze Google in Österreich hat". T-Mobile hat rund 1.250 Mitarbeiter. (sum)

  • Artikelbild
    foto: t-mobile
Share if you care.