Gratisstudium führt nicht zu mehr Studienanfängern

24. Februar 2012, 10:59
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Laut OECD-Auswertung "Education Indicators in Focus" - Finanzhilfe hat mehr Einfluss auf Studentenzahl als Studiengebühren

Wien - Länder, die beträchtliche Summen in die Studienbeihilfe stecken, haben einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Studenten - selbst wenn es vergleichsweise hohe Studiengebühren gibt. Studiendarlehen, die ab einem bestimmten Gehalt zurückbezahlt werden müssen, sowie zusätzliche Finanzhilfen für bedürftige Studenten "können ein effizientes Mittel sein, um den Zugang (zu den Hochschulen) und die soziale Gerechtigkeit zu fördern und gleichzeitig die Ausgaben für Hochschulen zwischen Staat und Studenten aufzuteilen", heißt es in der aktuellen OECD-Auswertung "Education Indicators in Focus".

Gutes Finanzhilfesystem fördert Studienbeginn

Länder wie Australien, Großbritannien, Neuseeland und die USA haben demnach ein besonders gut ausgebautes Finanzhilfesystem und dadurch trotz sehr hoher Studiengebühren einen überdurchschnittlich hohen Anteil pro Jahrgang, der ein Studium beginnt. Allerdings gibt es dabei eine Einschränkung: Werden die Studienkosten als zu hoch empfunden, können einzelne potenzielle Studenten trotz großzügiger Beihilfen vom Studium abgeschreckt werden.

Das Fehlen von Studiengebühren allein könne hingegen auch nicht als Garant für viele Studienanfänger gesehen werden: So gebe es in Ländern wie Irland und Mexiko mit Gratisstudium und schlecht ausgebautem Studienbeihilfesystem geringere Studienanfängerquoten. Die überdurchschnittlich hohe Studierendenzahl in Ländern wie Finnland, Island, Norwegen und Schweden hat laut OECD weniger mit dem Fehlen von Studiengebühren zu tun als damit, dass dort durch Beihilfen auch die Lebenshaltungskosten abgedeckt werden. In den vier nordischen Ländern bekommen mehr als 55 Prozent der Studierenden einen Studierendenkredit, eine Studienbeihilfe oder beides.

"Moderate" Studiengebühren und Finanzhilfe

Dabei gibt es laut OECD Unterschiede je nach Art der Förderung. "Moderate" Studiengebühren bei gleichzeitigem Zugang zu Finanzhilfe sind demnach eine effiziente Möglichkeit, den Zugang zu Hochschulen zu verbessern, begrenzte öffentliche Budgets effizient einzusetzen und den finanziellen Profit zu berücksichtigen, den ein Hochschulabschluss bedeutet. Zwar sei es schwer zu definieren, was "moderate" Studiengebühren sind. In den meisten OECD-Staaten würden aber zwischen 600 und knapp 1.000 Euro verlangt.

Gleichzeitig versuchen laut OECD immer mehr Länder, durch höhere Gebühren für Ausländer Geld in das Hochschulsystem zu pumpen. In 14 OECD-Staaten werden die Gebühren auch nach der jeweiligen Studienrichtung differenziert; dabei werden für ressourcenintensivere Studienrichtungen höhere Studiengebühren eingehoben. Einen anderen Weg verfolgt Australien. Hier richtet sich die Höhe der Studiengebühren auch nach der Nachfrage am Arbeitsmarkt. Für Studienrichtungen, in denen es zu wenige Absolventen gibt, werden niedrigere Gebühren verlangt. (APA/red)

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