Grob fahrlässig

Kommentar21. Februar 2012, 18:51
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Das Aufköcheln der Debatte über das AKH-Budget wirft nicht nur ein seltsames Licht auf die Ärzte, es verunsichert auch die Patienten

Ganz Österreich ist 2012 wahlfreie Zone. Ganz Österreich? Nein! Die Wiener Ärztekammer, eine an sich schon recht lautstarke Standesvertretung, wählt Ende März einen neuen Präsidenten. Und der Wahlkampf hat längst begonnen.

Das wäre ja nichts Verwerfliches, würden die Ärzte nicht versuchen, ihn als Kampf für die Interessen der Patienten zu tarnen. Die Themen sind fein säuberlich abgesteckt: Während Johannes Steinhart, Nachfolger von Präsident Walter Dorner als Spitzenkandidat der VP-nahen Vereinigung, gegen Elga mobilmacht, ist der rote Listenerste Thomas Szekeres praktischerweise Betriebsratsvorsitzender des AKH. Vor Weihnachten vergangenen Jahres stellte er wegen Budgetkürzungen einen Streik in Aussicht. Der Wissenschaftsminister gewährte einen Budgetvorschuss, die Diskussion war vorbei. Die Wahl ist es noch nicht, also befindet Szekeres nun, die Situation sei um keinen Deut besser, und geht erneut an die Öffentlichkeit.

Natürlich ist es Aufgabe der Ärztekammer, auf die Interessen ihres Standes zu schauen - einen Personalabbau in Österreichs größtem Spital kann sie nicht gutheißen. Allerdings schießen die Funktionäre dabei immer wieder übers Ziel hinaus. Das Aufköcheln der Debatte über das AKH-Budget wirft nicht nur ein seltsames Licht auf die Ärzte, es verunsichert auch die Patienten. Und selbst in einem Wahlkampf ist das bloß eines: grob fahrlässig. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 22.2.2012)

 

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