Ein Derby und seine Dimensionen

17. Februar 2012, 17:39
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Von Rapid und Austria ist zum Jubiläum ein eher vorsichtiges Spiel zu erwarten - Da aber die unaufgeregten Trainer Peter Schöttel und Ivica Vastic schon gewinnen wollen, könnten im Happel-Stadion durchaus Tore fallen

Wien - Am Samstag, um ungefähr 20.20 Uhr, wird Schiedsrichter Thomas Einwaller das 300. Wiener Derby im Happel-Stadion abpfeifen. Das 400. folgt dann in ungefähr 25 Jahren. Peter Schöttel und Ivica Vastic werden nicht mehr die beteiligten Trainer sein, obwohl man im Fußball nichts ausschließen soll. Für Einwaller ist das 300. sicher das letzte, er hört mit Saisonende auf.

Rapids Schöttel und Austrias Vastic versuchten, vor dem Jubiläum unaufgeregt zu bleiben. Das ist ihnen relativ gut gelungen.Sie taten, als wäre es bereits das 301. Beide lobten die Defensive des anderen, fügten aber hinzu, sich auf die Stärken der eigenen Mannschaft zu konzentrieren und auf Sieg zu spielen. Der Austrianer fürchtet die von Steffen Hofmann ausgeführten Standards, der Rapidler wiederum kann die taktische Ausrichtung des Gegners nur schwer erahnen. "Wie Ivo als Trainer einzuschätzen ist und was er sich einfallen lässt, weiß ich nicht." Vastic hat einen Informanten, sein Co-Trainer Manfred Schmid war Schöttels Assistent in Wiener Neustadt, er kennt also die fußballerische Denkweise.

Für Vastic ist es das erste Derby in der neuen Funktion, das letzte als Spieler bestritt er am 1. Juni 2005, die Austria gewann das Cupfinale im Happel-Stadion 3:1. Vastic köpfelte das 2:1. An dieser Stätte ist Violett gegen Grün aus nicht nachvollziehbaren Gründen höchst erfolgreich, die vergangenen fünf Partien wurden dort mit Siegen beendet. Schöttel. "Man muss sich ja nicht mit jeder Statistik beschäftigen." Vastic: "Jedes Match ist ein neuer Anfang."

Das Schweigen

Der neue Anfang am 18. Februar 2012 wird ganz gut besucht sein, Gastgeber Rapid rechnet mit knapp 30.000 Fans. Es droht aber eine gewisse Stille, die Ultras haben zum Schweigeboykott aufgerufen. Sie sind der Ansicht, dass Rapid nach Hütteldorf und nicht in den Prater gehört. Dass sie durch den Platzsturm im Hanappi der Auslöser für die Maßnahme waren, habe sie vielleicht verdrängt. 2013/14 werde sie sich an den Prater übrigens gewöhnen müssen, denn Hütteldorf wird um- und ausgebaut.

Imagemäßig ist das 300. Derby für den ORF ein Pech, er darf es nicht live zeigen. Das Statut sieht vor, dass nur eine Begegnung am Sonntag stattfinden darf. Und die muss Red Bull Salzburg gegen Sturm Graz sein. Nach dem an Kläglichkeit kaum zu überbietenden 0:4 der Salzburger in der Europa League gegen Charkiw wird das eher kein Straßenfeger. Obwohl Trainer Ricardo Moniz "eine Wiedergutmachung nach der Katastrophe" angekündigt hat. Das Derby wird also nur in Sky gezeigt, dafür in 3-D, da fliegen dann die Bälle quasi aus dem Fernseher ins Wohnzimmer.

Schöttel wie Vastic können personell aus dem Vollen schöpfen, Roland Linz dürfte nicht dabei sein, da Vastic die Qualitäten von Roman Kienast ausdrücklich gelobt hat. "Roman ist Fußballer durch und durch, er will alles geben, egal, wer auf der anderen Seite steht." Und dort steht diesmal Rapid, sonst wäre es ja kein 300. Derby. Schöttel: "Das Spiel ist extrem wichtig, aber für die Meisterschaft nicht einmal vorentscheidend." Kienast, der vor sechs Jahren Rapid verlassen hat, sagt: "Ich will jedes Spiel gewinnen."(DER STANDARD Printausgabe, 18./19. Februar 2012)

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    300. Derby und einmal mehr geht es um die Nummer eins in Wien.

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