Warnung vor Flucht aus Vorsorgeprodukten

14. Februar 2012, 18:15
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VKI rät von vorschnellen Rücktritten ab und appelliert an Zukunftsvorsorgeanbieter

Spare in der Zeit, dann hast du in der Not." "Die staatliche Pension wird für später nicht ausreichen, eine private Vorsorge ist anzuraten." So und so ähnlich klingen sie, die Argumente für private Spar- und Vorsorgeprodukte.

Mit der Prämienkürzung von 50 Prozent beim Bausparen und der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge werden sich Anleger den Griff zu diesen beiden Produkten künftig doppelt überlegen. Wer in seinen Bausparer 1200 Euro pro Jahr einzahlt (maximale Fördersumme), bekommt künftig 18 statt bisher 36 Euro. Bei der Zukunftsvorsorge sinkt die maximale Prämie von 198 auf 99 Euro. Vor allem beim Bausparen bleibt - abzüglich der Kontoführungsgebühr - wohl kaum noch ein Ertrag.

Von einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Bausparvertrag raten Konsumentenschützer aber ab, da dies immer mit Abschlägen verbunden ist. Neben bereits ausgeschütteten Prämien müsse der Verwaltungskostenbeitrag gezahlt werden, zudem werde der Zinssatz zurückgeschraubt, sagt Walter Hager vom Verein für Konsumenteninformation (VKI).

Peter Bosek, Privat- und Firmenkundenvorstand der Erste Bank, findet, dass die Vorsorgeprodukte im Sparpaket überproportional hart getroffen werden (siehe auch Artikel rechts). Beim Bausparen erwartet er daher künftig Zurückhaltung, vor allem was die Verlängerung der Verträge betrifft. Gibt es weniger Bausparer, werden auch die Bauspardarlehen zurückgehen, sagt Bosek.

Damit dämme man auch eine Finanzierungsalternative ein, denn "gerade, wenn die Banken bei der Kreditvergabe etwas zögerlicher sind, braucht es die Bausparkassen", sagt Wüstenrot-Chefin Susanne Riess zum Wirtschaftsblatt. Das Ausleihungsvolumen bei den Bausparkassen ist seit 2005 um mehr als vier Mrd. Euro auf insgesamt 18,7 Mrd. Euro gestiegen.

Ein anderes Problem ergibt sich bei der Zukunftsvorsorge. Ein vorzeitiger Vertragsausstieg ist bei dieser Anlageform nämlich nicht vorgesehen und laut OGH-Urteil aus dem Vorjahr erst nach zehn Jahren möglich. Die meisten Verträge laufen über zwanzig Jahre.

Durch die Prämienkürzung einen so genannten Wegfall der Geschäftsgrundlage geltend zu machen, um aus dem Vertrag zu kommen, ist laut Harald Eberhard, Professor für öffentliches Recht an der Wirtschaftsuniversität Wien, nicht möglich. Denn die Prämienkürzung ist nur für den Zeitraum von 2013 bis 2016 anberaumt, was laut dem Experten keinen massiven Eingriff in den Vertrag darstellt. Dass der Staat eine zugesagte Förderung kürzt, liegt laut Eberhard "im rechtspolitischen Gestaltungsspielraum". Anders wäre es freilich, wenn die Prämie komplett gestrichen worden wäre.

VKI-Experte Hager appelliert an die Produktanbieter, den Anlegern eine Lösung anzubieten. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.2.2012)

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