Warmes Klima schrumpfte Ur-Pferde auf Katzengröße - Für Zebrafische riecht Gefahr nach Zucker

24. Februar 2012, 17:10
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Warmes Klima schrumpfte Ur-Pferde auf Katzengröße

Washington - Erst kürzlich stellten Forscher fest, dass Säugetiere evolutionär viel schneller schrumpfen als wachsen. Eine Bestätigung der These liefert nun eine Studie im Fachblatt "Science": US-Paläontologen haben herausgefunden, dass die starke Erwärmung der Erde vor rund 56 Millionen Jahren die ohnehin kleinen Ur-Pferde im Verlauf von 130.000 Jahren um ein Drittel schrumpfen ließ - in etwa auf die Größe von heutigen Hauskatzen. (tasch)

Abstract
Science: Evolution of the Earliest Horses Driven by Climate Change in the Paleocene-Eocene Thermal Maximum

Innere Uhr beeinflusst das Risiko für Herztod 

Washington - Die meisten Fälle eines plötzlichen Herzstillstands ereignen sich in der Früh und am späten Abend. Forscher haben nun bei Mäusen herausgefunden, warum das so ist. Ihre in "Science" veröffentlichten Untersuchungen legen nahe, dass es zwischen dem Biorhythmus und dem Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden, einen molekularen Zusammenhang gibt, der sich Faktor Klf 15 nennt. (tasch)

Für Zebrafische riecht Gefahr nach Zucker

New York - Wird ein Zebrafisch verletzt, entsteht ein Schreckstoff, der seine Kollegen warnt, berichten Wissenschafter im Fachblatt "Current Biology". Man wusste bereits, dass die Fischhaut Chondroitin enthält, das wiederum aus Zuckermolekülen besteht. Wie die Forscher nach Beobachtungen berichten, können die Fische diese Substanz offenbar riechen, wenn sie ein anderer Fisch durch eine Hautverletzung abgibt. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. Februar 2012)

Abstract
Current Biology: Chondroitin Fragments Are Odorants that Trigger Fear Behavior in Fish


Beim Kollaps der Mayas herrschte Trockenheit

Washington - Das Mittelamerikanische Volk, dem wir ein vermeintliches Weltuntergangsdatum verdanken, hatte es mit dem eigenen Ende nicht eilig. Das zog sich nämlich über zwei Jahrhunderte hin. Nun bestätigt ein britisches Forscherduo die Vermutung, dass an der Kollaps des Maya-Reiches auch das Klima mitschuld gewesen sein könnte. Martin Medina-Elizalde und Eelco Rohling werteten für ihre neue Studie in Science Daten von drei nahegelegenen Seen und eines Stalagmiten aus und kamen zum Schluss, dass es in der fraglichen Periode zu Phasen starker Trockenheit kam. Insgesamt ging in der Untergangsperiode die Niederschlagsmenge um 40 Prozent zurück. Heutige Klimamodelle sagen ähnliche Trockenheiten voraus. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 24.02.2012)


Was Männergesichter für Frauen attraktiv macht

Turku/London - Ausgerechnet an 74 lettischen Männern Anfang 20 hat ein internationales Forscherteam um Markus Rantala (Uni Turku) hat einen Zusammenhang zwischen der Attraktivität eines Männergesichts, dem Hormonhaushalt und dem Immunsystem entdeckt: Hohe Testosteronwerte in Kombination mit wenig Stresshormonen stärken die Abwehrkräfte und lassen die Visage eines Mannes in den Augen von Frauen attraktiv erscheinen, schreiben die Forscher in Nature Communication. Ihre Studie sei der erste Beweis für diese Korrelation. (tasch)

Abstract
Nature Communications: Evidence for the stress-linked immunocompetence handicap hypothesis in humans

Männliches Geschlecht wird eher nicht aussterben

London - Seit einigen Jahren galt das männliche Geschlecht auf diesem Planeten langfristig bedroht. Wissenschafter hatten nämlich festgestellt, dass das Y-Chromosom in den vergangenen 300 Millionen Jahren Hunderte von Genen verloren hat. Doch nun geben Forscher der Whitehead-Institute in Cambridge Entwarnung. Ihre Analysen im Fachblatt Nature zeigen, dass in den vergangenen 25 Mio. Jahren die Gene auf dem x-Chromosom stabil blieben. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 23.02.2012)


300 Millionen Jahre Reste eines Waldes entdeckt

Es ist eine Momentaufnahme der Urzeit, ähnlich der von Pompeji, nur tausende Male älter: Vor etwa 300 Millionen Jahren hat ein Ascheregen einen tropischen Wald im heutigen China unter sich begraben. Ein chinesisch-amerikanisches Wissenschafterteam um Jun Wang und Hermann Pfefferkorn von der Uni of Pennsylvania konnte an einem 1000 Quadratmeter großen Abschnitt Ast für Ast und Blatt für Blatt nachvollziehen, wie damalige Wälder ausgesehen haben - und berichten darüber im Fachblatt "PNAS". (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. Februar 2012)

Abstract
PNAS: Permian vegetational Pompeii from Inner Mongolia and its implications for landscape paleoecology and paleobiogeography of Cathaysia


Hirnregion für konformes Verhalten identifiziert

New York - Ein internationales Forscherteam behauptet im Fachblatt "Current Biology", jene Region im Gehirn identifiziert zu haben, die darauf schließen lässt, ob wir zum Rebellentum oder zur Konformität neigen. Es handle sich um den seitlichen orbitofrontalen Bereich des präfrontalen Kortex. Gefunden wurde die Region durch Tests mit 28 Probanden, an denen untersucht wurde, inwiefern sich ihre Musikvorlieben nach dem Urteil einflussreicher Musikkritiker veränderte oder nicht. (tasch)

Tintenfische haben das besten Polarisationsauge 

New York - Zwar sind manche von ihnen farbenblind, das kompensieren Tintenfische aber locker dadurch, dass sie mit ihren riesigen Augen in der Lage sind, polarisiertes Licht zu sehen, wie Forscher im Fachmagazin "Current Biology" schreiben. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. Februar 2012)

Abstracts (Current Biology)


Auch in der trockensten Wüste existiert Leben

San Francisco - Rund zwei Meter unter der Oberfläche der Atacamawüste in Chile haben Biologen Mikroorganismen entdeckt, die ihrem trocken-salzigen Lebensraum Energie und Wasser entlocken können. Wie die Forscher im Fachblatt Astrobiology berichten, handelt es sich sowohl um Bakterien wie auch um sogenannte Archaeen. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.02.2012)

Abstract
Astrobiology: A Microbial Oasis in the Hypersaline Atacama Subsurface Discovered by a Life Detector Chip: Implications for the Search for Life on Mars


Alkoholmissbrauch sollte stärker bekämpft werden

Oxford/London - Die Weltgesundheitsorganisation WHO sollte nach Ansicht der Oxford-Medizinerin Devi Sridhar den Kampf gegen Alkoholmissbrauch entschiedener führen. Etwa 2,5 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen des Suchtmittels, schreibt die Forscherin in einem vom Fachmagazin Nature veröffentlichten Kommentar. Dies seien mehr Todesfälle als bei HIV/Aids, Tuberkulose oder Malaria. Dringend nötig wäre ein rechtlich verbindliches Abkommen, ähnlich dem gegen Tabak. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 16.02.2012)


Verliebte Männer sind auf Babys eingestimmt

Das war die gestrige Meldung zum Valentinstag: Psychologen haben 65 freiwilligen Testpersonen - Singles, frisch verliebten Männern und Frauen sowie jungen Eltern - Bilder von Babys vorgesetzt und ihre Reaktionen im Gehirn beobachtet. Wie die Forscher um Ruth Feldman im Fachblatt "Biological Psychiatry" schreiben, zeigte sich bei den frisch verliebten Männern und bei den Müttern eine höhere Aktivierung jener Hirnregionen, die für das Eltern-Verhalten zuständig sind. (tasch)

Abstract
Biological Psychiatry: Parental and romantic attachment shape brain processing of infant cues

Ur-Huftier könnte sich mit Sonar orientiert haben

Unter den Säugetieren wird die Echolokation in erster Linie von Fledermäusen und Delfinen sowie Walen genützt. Die Vorzüge der Schallortung dürften vor rund 50 Millionen Jahren aber noch einige andere Säugetiergruppen für sich entdeckt haben, vermuten französische und belgische Forscherinnen im frei zugänglichen Fachmedium "PLoS One". Sie entdeckten bei der Untersuchung eines wieselgroßen "Ur-Huftiers" nämlich Hirnstrukturen, die für heutige Fledermäuse und andere Echoorter typisch sind. (tasch)

Abstract
PLoS One: Digital Cranial Endocast of Hyopsodus (Mammalia, "Condylarthra"): A Case of Paleogene Terrestrial Echolocation?

Den "Frostschutzfischen" könnte es zu warm werden

Antarktische Knochenfische haben sich in Millionen Jahren mit einigen Tricks an die Kälte des Südpolarmeers angepasst: So verfügen die rund 100 heute lebenden Arten über eine Art körpereigenes Frostschutzmittel; zudem schaffen sie es, ohne Schwimmblase ihren Auftrieb zu variieren. Gerade diese Anpassungen könnten den bizarren Kreaturen jetzt aber den Garaus machen, vermuten Forscher im Fachblatt "PNAS". Geringe Temperaturschwankungen sind den Tieren abträglich; das Südpolarmeer erwärmt sich aber besonders schnell.

Abstract
PNAS: Ancient climate change, antifreeze, and the evolutionary diversification of Antarctic fishes

(tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 15.02.2012)


Physiker stellen Gleichung des Pferdeschwanzes auf

Cambridge - Es ist ein Problem, mit dem sich schon Leonardo da Vinci plagte: Wie kommt es, dass Zöpfe von Natur aus so verschiedene Formen annehmen können. Physiker um Raymond Goldstein wollen nun in den angesehenen "Physical Review Letters" (online vorab) die Frage gelöst haben. Ihre Pferdeschwanzgleichung berücksichtigt unter anderem Elastizität und Dichte des Haares sowie eine Maßzahl für das Verhältnis von Gravitationswirkung und Haarlänge. Diese Maßzahl tauften die Forscher übrigens "Rapunzelzahl". Die Pferdeschwanzgleichung gelte mit entsprechenden Abänderungen auch für das Verhalten anderer Faserstrukturen, wie etwa bei Wolle oder Fell. (tasch)

Abstract
Physical Review Letters: Shape of a Ponytail and the Statistical Physics of Hair Fiber Bundles

Link
University of Cambridge: The Shape of a Ponytail and the Statistical Physics of Hair Fiber Bundles (pdf-Datei)

Hirn bewahrt Spuren von Misshandlungen

Washington - Misshandlungen während der Kindheit wirken sich auf die Größe von Teilen des Gehirns aus, haben US-Forscher in einer Studie mit 193 Erwachsenen nachgewiesen. Bei jenen rund 35 Teilnehmern, die über mehrfache Misshandlungen in der Kindheit berichteten, waren drei Schlüsselregionen des Hippocampus, der unter anderem mit Gefühlen und Gedächtnis in Verbindung gebracht wird, um rund sechs Prozent kleiner, schreiben die US-Mediziner im Wissenschaftsmagazin "PNAS". (APA, red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. Februar 2012)

Abstract
PNAS: Childhood maltreatment is associated with reduced volume in hippocampal subfields CA3, dentate gyrus and subiculum

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