Forscher wollen aus Krustentierschalen Rohstoffe gewinnen

10. Februar 2012, 22:35
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Internationales Projekt forscht an Varianten für sinnvolle Weiterverarbeitung

Linz - Alljährlich landen große Mengen an Krabben, Krebsen und Garnelen auf den Tellern, die Tiere kleiden sich allerdings in Panzer aus Chitin, von dessen Verzehr eindeutig abzuraten ist. Das internationale Forschungsprojekt "ChiBio" setzt sich unter Beteiligung des Energieinstituts der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz nun aber mit Möglichkeiten auseinander, wie aus den Schalen Rohstoffe für die Industrie gemacht werden können.

Alleine in den EU-Ländern fallen jährlich etwa 750.000 Tonnen Schalen von Krustentieren an, die "derzeit relativ aufwendig deponiert werden" müssen, so Johannes Lindorfer vom Linzer Energieinstitut. Es handle sich zwar "um ein Nischenprodukt", dessen Entsorgung aber problematisch sei, da relativ schnell Fäulnisprozesse einsetzen. In Asien macht man aus Garnelenschalen den Kunststoff Chitosan. Da die Panzer europäischer Tiere aber mehr Kalk enthalten, falle diese Option aus wirtschaftlichen Überlegungen aus.

Laborversuche "im Grammbereich"

Deshalb machen sich die Forscher unter der Leitung des Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Straubing (Bayern) auf die Suche nach einer europäischen Lösung. Momentan betreibe man "Straight-forward-Laborversuche", so Lindorfer. Man versuche, entsprechende Biokatalysatoren, also Mikroorganismen oder spezielle Enzyme zu finden, die das Chitin in seine Bestandteile zersetzen. Dann gehe es darum, aus den Zwischenprodukten verwertbare Stoffe für die chemische Industrie zu machen. Der Maßstab der kleinen Laborversuche soll dann stufenweise erhöht werden, um auch mit zunehmenden Mengen fertig zu werden. In absehbarer Zeit würde man sich aber noch "im Grammbereich" bewegen.

Das Linzer Institut liefert "die übergeordnete Prozessbewertung" als Beitrag zum Projekt. "Bei uns sollen die experimentellen Daten zusammenlaufen", so Lindorfer. Die Wissenschafter durchleuchten die Verfahren schon während ihrer Entwicklung auf ökologische und ökonomische Aspekte. Die einzelnen, von den Partnern erarbeiteten Technologien, würden im Hinblick darauf bewertet, was sie dazu beitragen können, um aus den Abfällen Wertstoffe zu machen. Man wolle die Forscher mit Einschätzungen darüber versorgen, ob die Entwicklungen in die richtige Richtung gehen, ob es für angestrebte Produkte auch einen Markt gibt und ob die Technologie konkurrenzfähig ist.

Richtung unklar

Aus den Zwischenprodukten könnte man verschiedene Endprodukte machen. "Es ist noch nicht klar, ob es eher in Richtung Kunststoff oder in Richtung anderer Feinchemikalien geht", so der Wissenschafter. Eine weitere Frage sei, was mit den Proteinresten, die den Schalen anhaften, gemacht werden kann. Lindorfer betont, dass es eher unüblich sei, dass derart weitreichende "Lebenszyklusgedanken in eine allgemeine technische Entwicklung miteinbezogen werden". Meistens liege der Fokus darauf, Zielvorgaben möglichst schnell zu erreichen.

Das Projekt, an dem auch Partner aus Norwegen, Tschechien, Irland, Tunesien und Indonesien beteiligt sind, begann im November 2011. Erste Ergebnisse würden vermutlich zu Halbzeit des auf etwas mehr als zwei Jahre anberaumten Vorhabens erzielt werden, so Lindorfer. (APA)

  • In Europa fallen jährlich etwa 750.000 Tonnen Schalen von 
Krustentieren. Daraus wollen Forscher industrielle Rohstoffe gewinnen.
    foto: biotech surindo /fraunhofer igb

    In Europa fallen jährlich etwa 750.000 Tonnen Schalen von Krustentieren. Daraus wollen Forscher industrielle Rohstoffe gewinnen.

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