Engländer streiten über Massentötung von Dachsen

10. Februar 2012, 13:05
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Die Tiere stehen im Verdacht, Tuberkulose zu übertragen - Nun startet eine Befragung, ob sie gejagt werden dürfen

Den britischen Dachsen könnte es bald an den Pelz gehen. Die Tiere werden verdächtigt, den Tuberkuloseerreger in britische Rinderfarmen einzuschleppen. Die Regierung steht zwischen den Fronten: Vertreter der Landwirtschaft fordern seit Jahren die Tötung der geschützten Wildtiere. In der Öffentlichkeit sind Raubtiere jedoch sehr beliebt. Schon die Labour-Vorgängerregierung hatte daher eine solche Maßnahme gescheut. Diese Woche begann nun eine Befragung, bei der es um die Entscheidung geht, ob die Dachse auf einer Fläche von 150 Quadratkilometern getötet werden dürfen.

Die Landwirtschaftsindustrie kämpft damit, dass vor allem Milchvieh immer wieder mit dem für die Krankheit verantwortlichen Mikroorganismus Mycobacterium bovis angesteckt wird. "Rund 25.000 Rinder mussten im vergangenen Jahr geschlachtet werden, das hat den Steuerzahler allein in England 63 Millionen Pfund (75 Millionen Euro) gekostet", berichtete Landwirtschaftsminister Jim Paice am Mittwoch.

Das Thema ist nicht neu. Schon vor fünf Jahren sorgte ein Bericht von Sir David King, dem damals führenden wissenschaftlichen Berater der britischen Regierung, für Aufregung. Darin empfahl der Chemiker eine Massentötung der Waldbewohner. Laut einer Untersuchung seien sie für die Verbreitung der Rindertuberkulose verantwortlich.

Im Zweifel für den Angeklagten

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind jedoch keineswegs eindeutig. Andere Untersuchungen entlasten die Dachse. So sei in Gegenden, in denen die Tiere gezielt gejagt wurden, die Zahl der neuen Infektionen weiter gestiegen.

Denn bereits 1997 wurde eine großflächige Untersuchung vorgenommen, um für Klarheit zu sorgen. In jeweils zehn abgegrenzten Gebieten wurde untersucht, welche Folgen es hat, wenn man Dache prophylaktisch tötet (Gruppe 1), Dachse nur tötet, wo neue Infektionen auftreten (Gruppe 2) oder auf ihre Jagd verzichtet (Gruppe 3). 18 Monate nach Versuchsbeginn legten die Veterinäre des Imperial College London Ergebnisse vor: Die Fälle von Rindertuberkulose stiegen bei Gruppe 2 im Vergleich zur nicht bejagten Gruppe um 27 Prozent an. Denkbar sei, dass eine Dezimierung der Dachse mehr Lebensraum für andere Tiere schafft, die dann den Erreger zu den Rindern tragen. 

Bei der Rindertuberkulose handelt es sich um eine Zoonose. Das bedeutet, dass die Krankheit auch auf Menschen übertragen werden kann. In Österreich ist übrigens hauptsächlich das Rotwild von Tuberkulose betroffen. (jus, derStandard.at, 10.2.2012)

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    Dachse stehen im Verdacht Rindertuberkulose zu übertragen. Bewiesen ist das jedoch noch nicht.

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    Vor allem Milchkühe sind immer wieder von der Krankheit betroffen.

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