Geschädigte Lungenbläschen stärken

9. Februar 2012, 16:55
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Neuer Ansatz zur Bekämpfung von Lungenödemen - Eiweißmolekül soll natürliche Barriere "wieder errichten"

Wien - Durch die Zellwände der Lungenbläschen gelangt im Normalfall insbesondere Sauerstoff aus der Atemluft in den Blutkreislauf. Werden die Zellwände aber durch Schädigungen auch für Körperflüssigkeiten durchlässig, besteht die Gefahr, dass der Patient an ihnen erstickt. Das Wiener Biotechnik Start-up-Unternehmen "Apeptico" setzt nun bei der Bekämpfung von solchen Lungenödemen auf ein Eiweißmolekül, das diesen Effekt scheinbar umkehren kann. Mit dieser Entdeckung schaffte man den Sprung unter die zehn Nominierten zum kürzlich vergebenen "Inventum"-Preis für die besten Patente des Jahres 2011.

Die 2008 gegründete Firma entwickelt unter anderem synthetische Peptide, also Eiweißmoleküle, die sich aus mehreren Aminosäuren zusammensetzen. Jedes einzelne Peptid führt im Körper eine bestimmte Funktion aus. Der menschliche Körper besteht zum großen Teil aus diesen "biologischen Materialien", wie der Biochemiker und Apeptico-Geschäftsführer Bernhard Fischer erklärte.

Das von den Forschern nun im Zusammenhang mit der Behandlung von Lungenödemen patentierte kreisförmige Kleinstmolekül besteht aus insgesamt 17 Aminosäuren und trägt den Laborkode "AP301". Dieses "Nanomolekül" beeinflusst die Beschaffenheit der Zellwände in den Lungenbläschen, in denen sich die Sauerstoffaufnahme abspielt.

Dabei dringt im Normalfall der Sauerstoff durch die Zellwände der Bläschen ein und gelangt von dort in die kleinen Blutgefäße (Alveolen), die die Zellen umschließen. So reichert sich das Blut mit Sauerstoff an, der dann über die Blutbahnen im ganzen Körper verteilt wird.

Gesunde Zellwände sind in nur eine Richtung durchlässig, sie sind also semipermeabel. Aufgrund verschiedener Erkrankungen kann es aber dazu kommen, dass die Gefäßwände "undicht" und in beide Richtungen durchlässig werden, so Fischer. Die Zellwände sind dann hyperpermeabel. Es kommt dann zu einem sogenannten Lungenödem, da Blut und Flüssigkeiten aus den Alveolen in die Lungenbläschen einsickern. Das führt wiederum dazu, dass die Atmung nicht mehr funktioniert und der Mensch zu ersticken droht.

Barriere wieder errichten

"Mit dem Hineinziehen unserer Peptide wollen wir die Hyperpermeabilität bekämpfen", so der Wissenschaftler. Im Krankheitsfall ist der Stoff wahrscheinlich nicht in ausreichender Konzentration vorhanden. Durch die Zufuhr von AP301 wollen die Forscher einerseits die Barriere in den Zellwänden "wieder errichten, andererseits würden die Peptide auch dabei helfen, überschüssige Flüssigkeiten aus den Bläschen wieder in das Blut zu befördern".

Man könne die im Körper in sehr ähnlicher Form vorkommenden Moleküle mittlerweile künstlich erzeugen, so der Geschäftsführer, der auf die enge Zusammenarbeit mit der Abteilung für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Wien und mit der Medizinischen Universität Wien verwies. Im Jahr 2011 wurde AP301 in einer ersten klinischen Studie am Wiener AKH auf seine Verträglichkeit überprüft. Mitte 2012 wird in einer weiteren Studie die Wirksamkeit bei Patienten mit einem Lungenödem erprobt. (APA)

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