Skifahren inmitten der Baustelle

9. Februar 2012, 15:40
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Die Abfahrer haben die Olympiastrecke von 2014 in Sotschi erstmals auf ihre Tauglichkeit überprüft. In den Olympiaorten wird im 24-Stunden-Betrieb an einer der wohl längsten Baustellen der Welt gearbeitet.

Krasnaja Poljana / Sotschi - Immerhin. Hannes Reichelt hat am Mittwoch im überhaupt ersten Training für die überhaupt erste Weltcupabfahrt auf der Olympiastrecke von 2014 im russischen Sotschi die schnellste Zeit aufgestellt. Die Wertigkeit dieser Leistung bei der Jungfernfahrt auf der vom Schweizer Bernhard Russi konzipierten Strecke muss nicht zu hoch eingestuft werden. Schließlich hat der 31-jährige Salzburger zwei Tore ausgelassen. Didier Cuche, der alle Tore regulär passierte, wurde Zweiter.

"Es ist alles drin, was eine Abfahrt braucht. Mir gefällt sie", beschrieb Reichelt seinen Eindruck von der Strecke. Vor allem vom "Russisches Trampolin" genannten Sprung, der Weiten von bis zu 80 Meter zulassen soll, zeigte er sich angetan. Andere Fahrer äußerten sich kritischer, vor allem die vielen engen Kurven im oberen Teil missfielen. "Es wäre ein epischer Super-G, aber keine Abfahrt", sagte der US-Amerikaner Bode Miller.

Für die Herren gibt es am Wochenende die erste und einzige Möglichkeit vor den Winterspielen 2014, die Pisten rennmäßig zu testen. Nach der Abfahrt am Samstag folgt tags darauf noch eine Superkombination. Die Damen haben in einer Woche dasselbe Programm zu absolvieren.

Das Skiresort Rosa Khutor, das als Gastgeber für die olympischen Alpinbewerbe fungiert, liegt im Westkaukasus und ist etwa vierzig Kilometer östlich der Schwarzmeerstadt Sotschi gelegen. Untergebracht sind die Athleten im nahen und früher einmal kleinen Gebirgsdorf Krasnaja Poljana. Diese drei Orte verbindet eine der derzeit wohl längsten Baustellen der Welt.

50.000 Arbeiter

An der Eisenbahntrasse und der Autostraße, die von Sotschi aus in die Berge führen, wird im 24-Stunden-Betrieb geschuftet. 50.000 Arbeiter sind in den verschiedensten Projekten beschäftigt. Der Schienenverlauf ist noch äußerst lückenhaft, immer wieder fehlen hunderte Meter. Auch die Infrastruktur der Sportstätten ist vielerorts erst im Entstehen.

Noch kann man nicht erkennen, dass die Baustelle nahe einem der zwei Athleten-Dörfer in Krasnaja Poljana ein Eiskanal werden soll. Auch der Snowboard- und Freestyle-Park sowie das Langlauf- und Biathlon-Center existieren hauptsächlich im Virtuellen und verstecken sich ansonsten gut unter schneebedeckten Bergen von Erde und Gestein.

Die Gesamtkosten der Winterspiele, die am 7. Februar 2014 in Sotschi eröffnet werden, sollen sich auf mehr als 24 Milliarden Euro belaufen. Gut eine Milliarde haben sich österreichische Unternehmen gesichert. Der Baukonzern Strabag errichtet das olympische Dorf, bis September 2013 sollen Wohnungen und Hotels um rund 350 Millionen Euro errichtet werden.

Der bereits erfolgte Umbau des Terminals am Flughafen Adler in Sotschi brachte einen Auftragswert von 62 Millionen. Am Unternehmen von Hans Peter Haselsteiner ist der russische Industrielle Oleg Deripaska mit 17 Prozent beteiligt. Neben dem Seilbahnbauer Doppelmayr ist auch der Ziegelkonzern Wienerberger in Sotschi engagiert. (krud, APA, DER STANDARD Printausgabe 09.02.2012)

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    Bode Miller: "Es wäre ein epischer Super-G, aber keine Abfahrt."

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