Abschied von einem "guten Kerl"

6. Februar 2012, 19:04
188 Postings

Englands Fußballverband sucht nach Rücktritt einen Nachfolger für Fabio Capello, Spieler irritiert - Pearce übernimmt interimistisch

London - Die englischen Fußball-Nationalspieler haben sich entsetzt über den Rücktritt von Teamchef Fabio Capello geäußert. Stürmerstar Wayne Rooney sprach sich via Twitter für Harry Redknapp als Nachfolger aus. Der Trainer von Tottenham Hotspur, der am Mittwoch vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen worden ist, gilt auf der Insel als großer Favorit. Redknapp hat sich allerdings noch lange nicht entschieden. "Ich weiß nichts davon." Mit den Spurs befindet sich der 64-Jährige derzeit auf Tabellenplatz drei. Der erste Meistertitel seit 1961 scheint möglich.

Der englische Verband (FA), der den Capello-Rücktritt nach Unstimmigkeiten über die Absetzung von Kapitän John Terry wegen Rassismusvorwürfen bestätigt hat, präsentierte am Donnerstagnachmittag im Wembley-Stadion U21-Trainer Stuart Pearce als interimistische Lösung. Er soll die Mannschaft am 29. Februar gegen die Niederlande betreuen.

"Es macht mich völlig fertig, dass Capello zurückgetreten ist", schrieb Rooney auf Twitter. Der Italiener, der England souverän zur EM nach Polen und in die Ukraine geführt hat, sei "ein guter Kerl und ein Spitzentrainer". England steht vier Monate vor der Endrunde ohne Trainer da. "Nun kündigt Capello. Und was jetzt", twitterte Verteidiger Rio Ferdinand. Ausgerechnet sein Bruder Anton Ferdinand soll von Nationalteamkollege Terry rassistisch beschimpft worden sein.

Am Donnerstag schaltete sich sogar der britische Premierminister David Cameron in die Trainerfrage ein. "Es tut mir leid, Fabio gehen zu sehen. Ich denke, er war ein guter Coach und ein guter Mann", sagte Cameron während eines Staatsbesuches in Schweden. "Ich glaube nicht, dass er recht hatte in der Angelegenheit um John Terry. Man kann nicht Kapitän sein mit dieser unbeantworteten Frage." Der Rassismus-Prozess gegen Terry beginnt erst am 9. Juli, also nach der EM.

Capello war am Mittwochabend nach einem Gespräch mit der FA-Führung zurückgetreten. Der 65-Jährige hatte sich in der Entscheidung übergangen gefühlt, Terry nach der Affäre des Kapitänsamtes zu entheben. "Damit bin ich absolut nicht einverstanden", hatte Capello am Wochenende in einem italienischen TV-Interview erklärt. Am Mittwoch gab er sich wortkarg, am Donnerstag verließ er die Insel. "Mehr werde ich dazu nicht mehr sagen", betonte der Ex-Trainer von Real Madrid und Juventus. FA-Präsident David Bernstein wird die Suche nach einem Nachfolger vorantreiben. "Es geht um die langfristige Strategie."

Capello dankte dem Verband in einer schriftlichen Stellungnahme für seine Professionalität. Es dürfte noch um eine Abfertigung von rund 1,5 Millionen Pfund (1,8 Mio. Euro) gehen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 10. Februar 2012, red, APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    John Terry (links) bleibt, Fabio Capello geht.

Share if you care.