Bergungsstopp an Costa Concordia dauert an

3. Februar 2012, 16:00
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Weiteres Rätselraten um Rolle von Moldawierin - EU-Kommission fordert striktere Kontrollen

Rom - "Costa Crociere", Betreiber des am 13. Jänner vor der Insel Giglio auf Grund gelaufenen Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia", will bis Ende März den Auftrag für die Bergung des Wracks vergeben. Die Reederei hat bei zehn internationalen Unternehmen eine Ausschreibung zur Vorlage eines Arbeitsplans für die Bergung vorgenommen, teilte die Kreuzfahrtgesellschaft mit. "Bei den angesprochenen Unternehmen handelt es sich um weltweit renommierte Anbieter, welche die Kapazitäten besitzen, solche Arbeiten innerhalb kürzester Zeit, mit einem Höchstmaß an Sicherheit und mit möglichst geringen Auswirkungen für die Umwelt durchzuführen", teilte "Costa Crociere" in einer am Freitag veröffentlichten Aussendung mit.

Zu den Firmen, die sich an der Ausschreibung beteiligen, zählt auch die niederländische Gesellschaft "Smit Salvage". Sie wurde bereits von "Costa Crociere" mit dem Abpumpen des Öls beauftragt, das sich noch im Tank des Wracks befindet. An der Ausschreibung beteiligen sich außerdem amerikanische, japanische und italienische Unternehmen. Die Angebote müssen "Costa Crociere" bis Anfang März 2012 vorgelegt werden, um anschließend in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Komitee des italienischen Zivilschutzes einer Prüfung unterzogen zu werden. Die Auswahl des besten Konzepts erfolgt bis Ende März. "In Anbetracht der aktuellen Situation stellt dieser Zeitplan ein Optimum dessen dar, was realisierbar ist. Es kann angesichts der Komplexität der gesamten Operation jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass Verzögerungen auftreten", so die Gesellschaft.

EU-Kommission schaltet sich ein

Wegen der Wetterlage sei es weiterhin unmöglich, mit dem Abpumpen des Treibstoffes zu beginnen, der sich noch im Wrack befindet, erklärte ein Sprecher des wissenschaftlichen Komitees, das über den Beginn der Bergungsarbeiten entscheiden soll. Mit einer Besserung der Wetterlage sei vorerst nicht zu rechnen. Ganz Italien leidet unter klirrender Kälte und heftigen Schneefällen. Wegen der kritischen Wetterbedingungen droht sich der Stopp bei den Bergungsarbeiten zu verlängern.

Die EU-Kommission forderte inzwischen eine Überprüfung der Sicherheitsstandards von Schiffen durch die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO). Dabei sollen vor allem Fragen der Stabilität, des Designs und der technischen Gegebenheiten von Schiffen sowie Evakuierung und Rechtszuständigkeiten geklärt werden. "Sicherheit ist die oberste Priorität", erklärte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Freitag in Brüssel.

Passagiere müssten sicher sein können, unabhängig davon, wo und wie sie reisen, dieselben und vor allem neuesten Sicherheitsstandards vorfinden zu können, so Kallas. Die Europäische Union wolle deshalb eine Verstärkung der IMO-Standards, kann sich aber auch vorstellen, neue EU-Normen vorzuschlagen, die die "Basis für neue IMO-Standards sein können". Dies solle bis spätestens Jahresende erfolgen. Noch im Frühjahr soll eine entsprechende Konferenz zur Sicherheit von Passagieren stattfinden, im Mai tagt der Sicherheitsrat der IMO.

Rätsel um Tschemortan

Inzwischen wird weiterhin über die 25-jährige Moldawierin gerätselt, die nach eigenen Angaben ein Verhältnis mit Schiffskapitän Francesco Schettino hat. Domnica Tschemortan gab im Gespräch mit den Ermittlern zu, dass sie sich zum Zeitpunkt des Unglücks mit dem Kapitän auf der Kommandobrücke befunden hatte. Die 25-Jährige erzählte, dass sie mit dem Kapitän zu Abend gegessen hatte.

Kleider und Kosmetika der Moldawierin wurden in der Kabine des Kapitäns gefunden. Die Moldawierin erklärte neuerlich, dass der Kapitän sich nach der Havarie heldenhaft verhalten habe. Mit einem Manöver habe er dafür gesorgt, dass das Schiff nahe der Insel Giglio auf Grund laufen konnte, wodurch die meisten Passagiere gerettet werden konnten, so die 25-Jährige.

Nach dem Unglück wurden bisher 17 Todesopfer geborgen, 15 Menschen werden noch vermisst. Am Dienstag hatten die Rettungskräfte die Suche nach Vermissten im unter Wasser stehenden Teil des Wracks offiziell eingestellt. (APA)

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