Jubiläum mit Mammutprogramm

10. Juni 2003, 12:16
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Die 50. Kunstbiennale Venedig - Eine Schau der Superlative

Wien - Wenn am Samstag (14.6.) die 50. Kunstbiennale Venedig eröffnet wird, dann geht es um eine Jubiläums-Schau der Superlative. Bereits das von dem neuen Direktor Francesco Bonami (47) erdachte Hauptprogramm unter dem Titel "Träume und Konflikte - Von der Diktatur des Zuschauers" umfasst gleich elf Ausstellungen, die in den Giardini, im Arsenale und im Museo Correr am Markusplatz gezeigt werden. Dazu kommen 64 Länderpräsentationen und über 30 über die ganze Stadt verteilte Sonderprojekte.

"Kunst heute ist so vielfältig, dass ich nicht meinen persönlichen Blickwinkel als maßgeblich voraussetzen kann", sagt Bonami. Daher zeichnet der Florentiner, der seine internationale Kuratorenkarriere vor zehn Jahren bei der "Aperto" in Venedig startete, nur für zwei Ausstellungen alleinverantwortlich: Im Museo Correr präsentiert er "Malerei: Von Rauschenberg zu Murakami, 1964-2002", eine große Retrospektive von über 40 internationalen Künstlern, die dem Siegeszug von Installations-, Performance- und Videokunst erfolgreich gegengehalten haben: Lucio Fontana, Roy Lichtenstein und Anselm Kiefer sind dabei ebenso zu sehen wie Francis Bacon, Georg Baselitz oder die Österreicherin Maria Lassnig. Und im Arsenale zeigt er unter dem Titel "Clandestini" ("Blinde Passagiere") 30 spezielle Geheimtipps.

...Revolution

"Ritardi e Rivoluzioni" ("Verzögerungen und Revolutionen") heißt die von Bonami gemeinsam mit Daniel Birnbaum kuratierte Ausstellung im ehemaligen italienischen Pavillon der Giardini - eine internationale Gruppenausstellung von mehr als 40 Künstlern, in denen bekannte und neue Namen sowie die unterschiedlichsten Gattungen eine pointierte Übersicht über die jüngere Kunstgeschichte geben sollen. Damien Hirst, Matthew Barney oder Maurizio Cattelan sind hier ebenso zu sehen wie die eigenwillige 85-jährige Italienerin Carol Rama, die heuer mit dem Goldenen Löwen der Biennale geehrt wird.

Die italienische Kunst bekommt mit "Die Zone" in den Giardini eine neue Präsentationsplattform. Im Arsenale geht der Marathon dann gleich über acht Teilstrecken, die verschiedene geografische oder thematische Blickwinkel offerieren: Neben "Clandestini" gibt es u.a. die von ex-documenta-Chefin Catherina David zusammengestellte "Zeitgenössische Arabische Repräsentation", den "Erdrutsch" ("Smottamenti") der afrikanischen Kunst oder das asiatische "Notstandsgebiet" ("Zona d'Urgenza"). Dazu gibt es die "Haltestelle Utopie" (in der auch Christoph Schlingensief mit seiner "Church of Fear" vertreten ist), "Individuelle Systeme" (mit den Österreichern Josef Dabernig und Florian Pumhösl), "Die Struktur des Überlebens" (Kunst als Mittel des Widerstandes) und "Das Alltägliche verändert".

"Träume und Konflikte"

Dazu sollen "Interludes" genannte Installationen und Interventionen sowie zahlreiche weitere Projekte die Verbindung der Ausstellungsplätze mit dem Stadtraum schaffen. Auch etliche Länderpräsentationen sind aus Platzgründen nicht in den Giardini, sondern in Palazzi oder Hallen der ganzen Lagunenstadt zu finden. Großbritannien schickt heuer den skandalträchtigen Turner-Preisträger Chris Ofili, der Elefantendung kunstsalonfähig gemacht hat, ins Rennen um den besten Pavillon. Auch der Australierin Patricia Piccinini, die ihre pointierten Kommentare zum Gen-Zeitalter in Silikon gießt, werden gute Chancen auf großes Medienecho eingeräumt. Deutschland schickt die Fotografin Candida Höfer im Duo mit dem verstorbenen Martin Kippenberger, die Schweiz setzt auf die junge Videokünstlerin Emmanuelle Antille, Österreich auf die Groß-Skulpturen von Bruno Gironcoli.

Genug Stoff für "Träume und Konflikte" auf über 15.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die 50. Kunstbiennale ist bis zum 2. November geöffnet.

(APA)

50. Internationale Kunstbiennale Venedig "Sogni e conflitti - La dittatura dello spettatore / Träume und Konflikte - Von der Diktatur des Zuschauers", Pressetage: 12.-14. Juni, 10-18 Uhr, Offizielle Eröffnung am 14. Juni, 15 Uhr. Öffentlich zugänglich von 15. Juni bis 2. November 10-18 Uhr,

Labiennale.org

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