Ringen um den Schulden­schnitt

31. Jänner 2012, 08:58
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Regierungschef Papademos ver­handelt weiter mit Privat­gläubigern, die Euroländer wollen der Hängepartie ein Ende machen

Brüssel - Griechenlands Regierungschef Lukas Papademos hat sich zuversichtlich gezeigt, die Verhandlungen über einen Forderungsverzicht privater Gläubiger bis Ende der Woche unter Dach und Fach zu bringen. "Wir haben bedeutende Fortschritte erzielt", sagte Papademos nach einem Treffen mit Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU im Anschluss an den EU-Gipfel in Brüssel. Auch die Gespräche mit der Troika aus EZB, EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) über ein zweites Hilfspaket für Griechenland sollten bis Ende der Woche abgeschlossen werden. Hauptknackpunkte seien weiterreichende Einsparungen und Reformen des Arbeitsmarktes, sagte Papademos.

Euroländer machen Druck

Die Euroländer wollen indes die Hängepartie um das neue Rettungspaket für Griechenland in den kommenden Tagen ohnedies beenden. Griechenland soll für neue Kredithilfen auf Drängen Deutschlands schärfer an die Kandare genommen werden. Unter den Geberländern mache sich "Frustration" breit über den mangelnden Fortschritt bei der Budgetkonsolidierung und Reformen, sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel. Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionschef Jose Manuel Barroso und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy forderten eine rasche Einigung. Während Sarkozy davor warnte, das Land unter Kuratel zu stellen, verteidigte Merkel die Forderung nach einer schärferen Kontrolle der griechischen Regierung.

Diese Notwendigkeit sieht Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker nicht. Aber auch er hat Griechenland zu einer konsequenten Umsetzung seiner Sparpolitik aufgefordert. Die Partner hätten von dem hoch verschuldeten Land gefordert, nun Nägel mit Köpfen zu machen, sagte der luxemburgische Ministerpräsident.

Regierung verteilt Lebensmittelmarken

Das griechische Bildungsministerium hat unterdessen am Montag angekündigt, zur Unterstützung der durch die staatlichen Sparmaßnahmen am härtesten betroffenen Schüler und Familien Lebensmittelmarken zu verteilen. Von kommender Woche an sollten an 18 Schulen in neun Arbeitervierteln kostenlos Coupons für Milch, Früchte und Kekse verteilt werden, sagte die stellvertretende Bildungsministerin Evi Christofilopoulou dem Parlament nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur ANA. (APA/red, derStandard.at, 31.1.2012)

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