Strache, der nagelneue Jude

30. Jänner 2012, 17:39
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Herr Muzicant wird schön schauen, wenn demnächst die FPÖ samt ihrem burschikosen, beziehungsweise die burschikosen Deutschtümler ...

Herr Muzicant wird schön schauen, wenn demnächst die FPÖ samt ihrem burschikosen, beziehungsweise die burschikosen Deutschtümler samt ihrem freiheitlichen Wurmfortsatz – wer soll sich da auskennen – geschlossen der Israelitischen Kultusgemeinde beitreten. Mit untrüglichem Gespür für historische Wahrheiten hat, wie "Der Standard" berichtete, Strache im Schmuck des österreichischen Ordens, den er in der Öffentlichkeit aber nicht zeigen will, der Meinungsfreiheit eine Gasse gebahnt, als er in bester Faschingslaune die Erkenntnis nicht unterdrücken konnte: "Das war wie die Reichskristallnacht, wir sind die neuen Juden."

Den reichsweit organisierten Pogrom der Nazis mit all seinen Opfern und Zerstörungen jüdischen Eigentums mit der lokalen Demonstration gegen eine Ballveranstaltung zu vergleichen, ist jene Form des Selbstmitleids, wie sie in Kellernazikreisen hämisch kultiviert wird, und eine Form der Verharmlosung, die in zivilisierten Ländern als nationalsozialistische Wiederbetätigung registriert würde.

In Österreich aber lässt sich der Paintball-Moses der neuen Juden von der Hoffnung tragen, erstmals in der Zweiten Republik könnte ein Blauer Kanzler werden ("Zur Zeit"), und von der Volkspartei hofieren, als hätte sie keinen innigeren Wunsch, als diese Hoffnung Realität werden zu lassen. Wer sich das gelobte Land unter einem blauen Kanzler so innig herbeizureden sucht wie er und seine Komplicen, kann naturgemäß nicht verstehen, wieso er zwar in diversen Bierzelten, nicht aber in der Hofburg gern gesehen sein sollte. Wie groß dieses Unverständnis ist, formulierte neulich Univ. Prof. Christian Neschwara im FPÖ-Blatt "Zur Zeit". Mit der Ausladung der Burschenschafter habe die Kultur der Demokratie in Österreich – vorläufig – ihren Tiefpunkt erreicht. Und es geht noch schlimmer. Überraschend ist aber, daß sich gerade das Hotel Sacher, geführt von Elisabeth Gürtler-Mauthner, der geschiedenen zweiten Frau von Peter Gürtler, dem Enkel des NSRB-Rechtsanwaltes Hans Gürtler, bereits vor 1938 Mitglied des antisemitischen "Verbandes deutsch-arischer Rechtsanwälte" und 1948 Verteidiger von prominenten NS-Juristen, als Befürworter einer Art von politisch-weltanschaulicher Apartheid hervortut.

Da ist ein Professor, der an der Universität Wien Rechts- und Verfassungsgeschichte lehrt und Mitglied der Wiener akad. Burschenschaft Gothia ist, ganz schön überrascht! Das hätte er von der geschiedenen zweiten Frau des Enkels eines Nazi-Anwaltes, der bereits vor 1938 Mitglied des antisemitischen "Verbandes deutsch-arischer Rechtsanwälte" und nach 1945 noch immer Verteidiger von prominenten NS-Juristen war, jetzt aber nicht erwartet. Wenn deutsche Treue derart am Sand ist, ist es kein Wunder, wenn die Kultur der Demokratie in Österreich ihren Tiefpunkt erreicht, und nicht nur vorläufig.

Ob sich dieser Universitätsprofessor nun auch als neuer Jude fühlt, erfahren die Studenten vielleicht in einer seiner nächsten Vorlesungen. Geht es nach ihm, dann sollte sich die geschiedene zweite Frau des Enkels eines nationalsozialistischen Rechtswahrers ein Beispiel an der Mädelschaft Freya nehmen, die, wie die einschlägig arische Zeitschrift "Der Eckart" in ihrer Jänner-Nummer begeistert berichtete, in den von uns herbstlich geschmückten Kulturräumen der österreichischen Landsmannschaft unter dem Thema "Österreich als Teil der deutschen Kulturnation" gelitten hat. Das einzig Österreichische an der Freya- Feier waren die von uns herbstlich geschmückten Kulturräume. Denn nach der Begrüßung sangen wir gemeinsam das Lied "Was ist des Deutschen Vaterland", worauf zwei aktive Mädel ihre Ausführungen zu den Ereignissen der Staatenbildung zwischen den zwei großen Weltenbränden vortrugen. Dabei vergaßen die zwei aktiven Mädel nicht, die Zerstückelung des Reiches nach dem 8. Mai 1945 zu erwähnen, die schrittweise erfolgte Umerziehung der Deutschen in Österreich und die damit einhergehende Eliminierung der deutschen Identität.

Als nächstes Lied wurde das deutsche Weihelied "Wenn alle untreu werden" gesungen - Mahnung an alle geschiedenen zweiten Frauen von nicht umerzogenen Enkeln, der Umerziehung der Deutschen in Österreich nur ja nicht anheimzufallen. Aber nicht nur an sie. Denn die Gefahr der Umerziehung lauert ständig und überall. Wer hätte schließlich je gedacht, dass sie aus einem altbackenen Arier wie Strache einen nagelneuen Juden macht? (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 31.1.2012)

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