Weltsozialforum sucht Weg jenseits von Markt und Staat

29. Jänner 2012, 17:38
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Porto Alegre - Ureinwohner aus Ecuador, Studenten aus Chile, Intellektuelle aus Palästina und Frankreich: Aktivisten aus aller Welt tummelten sich am Wochenende im alten Gaswerk von Porto Alegre. Die Abschlussveranstaltung des Weltsozialforums (WSF) zeigte die ganze Vielfalt der globalisierungskritischen Bewegung. In der letzten Woche wurden Forderungen an den UN-Umweltgipfel "Rio+20" im Juni diskutiert.

Schwerpunkt von Rio+20 soll die Green Economy werden, ein Kapitalismus mit ökologischem Anstrich aus WSF-Sicht. Dabei drohten Themen wie Menschenrechte, Gerechtigkeit und kleinbäuerliche Landwirtschaft zu kurz zu kommen, warnt Jürgen Reichel vom WSF-Rat. Das Forum will dagegen die Rio-Konferenz nutzen, um für ihre Vorschläge zu werben. "Weltweit werden immer noch 70 Prozent der Lebensmittel von Kleinbauern produziert, und jeweils 70 Prozent des Wissens über Artenvielfalt und medizinische Heilmittel befinden sich im Besitz indigener Völker", sagt der kanadische Gentechkritiker Pat Mooney. Dieses Potenzial müsse vor Konzernen geschützt werden, so Mooney, "wir müssen die Privatisierung der Natur stoppen".

Dem Wachstum als Entwicklungsmotor wollen die Globalisierungskritiker eine Alternative entgegenstellen. Dabei kristallisieren sich "Commons", Gemeingüter, als neue Leitlinie heraus. Der alte Gegensatz zwischen Markt und Staat sei nur noch bedingt tauglich, um Auswege aus der Krise aufzuzeigen, sagte Commons-Expertin Silke Helfrich. "Statt des Monopols des Privateigentums schlagen wir soziale Eigentumsformen vor, um die Kontrolle, die Verwendung und den Erhalt der Ressourcen zu garantieren", heißt es im Alternativkonzept. Lebensnotwendige Güter wie Luft, Energie, Land, Wasser, Wälder oder Artenvielfalt müssten dem "Zugriff der Märkte und des Finanzkapitals" entzogen werden. (Gerhard Dilger aus Porto Alegre, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.1.2012)

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