Österreichs jüngster Bürgermeister

27. Jänner 2012, 17:36
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Der Weg in die Politik, aber auf die harte Tour - Mörbisch am See: Der Conte Canero ist alt, der Bürgermeister dafür sehr jung

Eisenstadt - Mit jungen Menschen hat die SPÖ momentan keinen wirklich guten Lauf. Nachvollziehbar, dass man im Eisenstädter "Roten Haus" am Freitagvormittag ein wenig nervös war. Immerhin galt es, Österreichs jüngsten Bürgermeister vorzustellen.

25 Jahre alt ist er, Jürgen "Meine Recherchen ergaben, dass das keine Verwandtschaft ist" Marx heißt er, und Schuster ist er von Beruf; nein, korrigiert er mit einigem Recht die journalistische Schnoddrigkeit: "Schuhmacher".

Fragen nach Niko Pelinka oder Laura Rudas verbittet er sich nicht direkt, aber er macht schon klar, dass ihn sowas nur aus professionellen Gründen nicht nervt.

Denn da will einer ganz offensichtlich auf die harte Tour ins Politische hinein. Mag sein, er übernimmt sich dabei, weshalb er sich selbst als vorläufig interimsmäßig betrachtet - bis zur Wahl im Oktober, zu der Vorgänger Peter Vargyas nicht mehr antreten will.

Seit 2007 sitzt Marx im Gemeinderat, er ist im Gemeindevorstand, er hat 2010 als Eisenstädter Jugendkandidat für den Landtag kandidiert. Erzähle ihm also niemand - so körperspricht er - worauf's in der Politik ankommt: rennen, rennen, rennen! Das hat er nun auch vor in Mörbisch, das will er sich antun. Auch und vor allem deshalb, "weil ich weiß, dass man da auch was bewegen kann".

Er will nicht "daheimsitzen" und groß die Pappen aufreißen. Und merkwürdig, so sagt er, "als ich das über Facebook bekanntgegeben habe, hab ich gleich einmal 150 ,Gefällt mir'-Klicks gehabt, das bestärkt mich".

Ob es für die g'standenen Mörbischer Weinbauern reicht, wird sich weisen. Aber Jürgen Marx, der seinen Schuster - nein: Schuhmacher - beim Bundesheer bis zur Meisterreife gelernt hat und nunmehr in der dortigen Bekleidungs-Qualitätssicherung arbeitet, sagt dazu einen ganz bemerkenswerten Satz: "Bis jetzt haben die Älteren auf uns geschaut. Jetzt nehmen wir den Ball in die Hand und tun dann eben was für die Älteren."

So ein Satz schwingt weit über Mörbisch hinaus. Wahrscheinlich bis auf den Küniglberg. (wei, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.1.2012)

  • Jürgen Marx, der weiß, dass er sich etwas antut.
    foto: huber/sp-bgld

    Jürgen Marx, der weiß, dass er sich etwas antut.

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