Weißensee: Das Eis wird dünner

26. Jänner 2012, 19:36
26 Postings

Der Klimawandel bringt dem Weißensee viele Gäste, aber schön langsam auch Probleme

Weißensee - Orange, so weit das Auge reicht. Kärnten also, ausnahmsweise nicht politisch, sondern touristisch. Fast 6.000 Gäste aus den Niederlanden tummeln sich seit Samstag am und auf dem Weißensee in Oberkärnten. Rund 3.500 von ihnen nehmen aktiv an der "Alternativen Elf-Städte-Tour" teil, die bereits zum 24. Mal in Kärnten stattfindet.

Heute, Freitag, 27., am 31. Jänner sowie am 3. Februar nehmen Hobbyläufer auf dem 12,5 Kilometer langen Rundkurs bis zu 200 Kilometer unter die Kufen. Den finalen Höhepunkt bietet am 4. Februar über die Maximaldistanz das Rennen der Profis. Sie wollen den Weltrekord brechen, der seit 2000 bei fünf Stunden, elf Minuten und einer Sekunde liegt. Die Sieger der diversen Kategorien dürfen sich Meister nennen. Insgesamt umfasst die größte Eissportveranstaltung der Welt zehn Amateur- und Profikonkurrenzen, und sie sorgt für 35.000 Übernachtungen, ein Drittel der Weißensee-Gesamtzahl im Winter.

Kaum Chancen auf Revival

Natürlich liegen am Weißensee keine elf Städte. Das "Alternativ" im Titel ist Hinweis darauf, dass die ursprüngliche Tour ("Elfstedentocht") auf holländischen Grachten gelaufen wurde. Nach ihrer letzten Auflage 1997 gibt es kaum Chancen auf ein Revival, schuld ist der Klimawandel. Ihm verdankt der Weißensee, den die Niederländer auf der Suche nach einem Ersatzort schon in den 80ern ausfindig machten, die orange Völkerwanderung.

Auch der Weißensee, 930 Meter hoch gelegen, oder zumindest sein Eis wird dem Klimawandel irgendwann zum Opfer fallen. Bis dato musste erst einmal ein Teil der Veranstaltung abgesagt werden, 2007 war die Eisdecke noch zu dünn, als es zu schneien begann und nicht mehr aufhörte. Auch heuer war Eismeister Norbert Jank besorgt. Zu lange war's zu warm, als dass man mit dem Eis etwas anfangen hätte können. Erst am 14. Jänner war das Eis dick genug, dass Jank mit seiner schweren Maschine zur Präparierung anfahren konnte.

Jank (65) führt seit 1973 Aufzeichnungen über die Zufrierzeiten des Weißensees - und zwar an dessen Ostteil, der nicht so früh friert wie der Westteil, auf dem gelaufen wird. Daraus geht deutlich hervor, dass im Lauf der Jahre das Eis nicht mehr so lange gefroren und also generell dünner geworden ist. Dauern wird es freilich noch, bis die Niederländer wieder auf Reisen gehen müssen, auf der Suche nach neuem Eis und einer Alternative zur Alternative. (Fritz Neumann, DER STANDARD, Printausgabe, 27.1.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auch der Weißensee oder zumindest sein Eis wird dem Klimawandel irgendwann zum Opfer fallen.

Share if you care.