Billige Ressource als lebende Legende

24. Jänner 2012, 23:46
9 Postings

Eusebio, den die Fifa zu den zehn besten Fußballern aller bisherigen Zeiten zählt, feiert seinen 70. Geburtstag

Lissabon/Wien - Kurz vor Weihnachten gab Eusebio da Silva Ferreira den Portugiesen mehr Anlass zur Sorge als die marode Wirtschaft. Eine schwere Lungenentzündung ließ am Aufkommen des "schwarzen Panthers" zweifeln. Vor dem Estadio da Luz von Benfica Lissabon, wo ihm zum 50er ein Bronzedenkmal gesetzt worden war, bangten die Fans.

Noch rekonvaleszent und fernab der Öffentlichkeit feiert Portugals Fußballidol am Mittwoch den 70er, dabei ist es möglich, dass Eusebio das 71. Lebensjahr schon am 5. Jänner begonnen hat. Die Kolonialherren von Mosambik nahmen es seinerzeit nicht so genau mit den Daten des nahe der Hauptstadt Lourenco Marques (heute Maputo) Geborenen, dessen Mutter neun Kinder allein durchzubringen hatte, nachdem ihr Mann, ein Eisenbahner, gestorben war.

Interessant für die Ausbeuter der Kolonie wurde Eusebio erst, nachdem er das Fußballspiel erlernt hatte - bloßfüßig in den Straßen Maputos, mit einem aus Fetzen gedrehten Ball. Beim Filialklub von Sporting Lissabon fiel er ob seiner Athletik und seiner Gewandtheit vor dem Tor auf, die 100 Meter lief Eusebio unter elf Sekunden. Während aber Sporting die schon bisher nur mit Speis und Trank entlohnte menschliche Ressource gratis exportieren wollte, bot der Ungar Bela Guttmann, damals Trainer von Stadtrivale Benfica Lissabon, Geld.

Nach heutigem Wert 2000 Euro bekam die Mutter und versprach, das Geld zurückzugeben, sollte der Sohn bei Benfica nicht entsprechen. Es war das beste Geschäft in der Geschichte des nach Mitgliederzahl (rund 200.000) größten Sportvereins der Welt.

Eusebio erzielte in 365 Pflichtspielen für Benfica 380 Tore, gewann mit dem Klub elf Meistertitel, fünfmal den Pokal und 1962 den Europacup der Meister. Im legendären Amsterdamer Finale gegen Real Madrid (5:3) schoss er zwei Tore. 1968 wurde dem ersten Weltstar des afrikanischen Fußballs nach 42 Treffern der erste Goldene Schuh für Europas besten Torjäger verliehen. Zwei Jahre zuvor hatte Eusebio Portugals Nationalteam in England mit neun Toren zum dritten WM-Platz geführt. Insgesamt bestritt er 64 Partien für Portugal (41 Tore).

Bei Benfica wurde Eusebio lange Zeit beschämend schlecht bezahlt. Auslandsangebote konnte er wegen horrender Ablöseforderungen des Klubs nicht annehmen, ja, unter Diktator Antonio de Oliveira Salazar, der sein Volk mit Sport, Volkskultur und Religion ("Fußball, Fado, Fatima") ruhig zu halten gedachte, war ihm ein Wechsel gar offiziell verboten. Eusebio gehöre den Portugiesen, ließ Salazar wissen, ganz so, als hätte Portugal die Sklaverei nicht schon 1869 abgeschafft.

Erst nach der Nelkenrevolution (1974) stand Eusebio die Welt offen, doch mehr als ballesterisches Tingeln durch Nordamerika war dem sechsmal am Knie operierten Altstar, der beim Zusammenbruch der Kolonialherrschaft über seine eigentliche Heimat (1975) viel Geld verloren hatte, nicht mehr vergönnt.

Heute ist Eusebio eine lebende Legende, nachrevolutionäre Animositäten wegen angeblicher Regimenähe sind vergessen. An Popularität können sich weder die Spieler der goldenen Generation um Luis Figo noch Cristiano Ronaldo mit ihm messen. Eusebios Ankündigung, im Sommer wieder nahe am Fußball sein zu wollen, hat die Fans beglückt. (lü - DER STANDARD, Printausgabe 25.1. 2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    WM 1966. London, Wembley-Stadion: Eusebio trifft auch beim 2:1-Sieg im Spiel um Platz drei gegen die UdSSR für Portugal und wird mit insgesamt neun Treffern Schützenkönig

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ende des letzten Jahes machte dem "Schwarzen Panther" eine Lungenentzündung schwer zu schaffen.

Share if you care.