Mit der Wohnung reden

24. Jänner 2012, 17:48
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Jennifer Hetzl arbeitet an einem System zur Verwaltung des Energiebedarfs im Haushalt

Im Winter wäre es bequem, wenn man der Wohnungsheizung schon vom Büro aus sagen könnte, dass sie anfangen soll zu heizen. Bei zeitvariablen Stromtarifen ist es besser, wenn sich die Waschmaschine zu einer Tageszeit mit günstigem Tarif wäscht. Und um Einbrecher abzuschrecken, könnte man dafür sorgen, dass während des Urlaubs jeden Abend im Wohnzimmer eine Stunde das Licht brennt. Künftige Haushalte sollen über intelligente Energiesysteme verfügen, die es möglich machen, Geräte und Stromverbrauch im Haushalt effizient und transparent zu koordinieren.

Jennifer Hetzl arbeitet als Geschäftsführerin beim Entwicklungsunternehmen Theobroma Systems daran, dass die Energieoptimierung der Wohnungen auch einfach zu bedienen ist. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2006 beschäftigt sich die 1977 geborene, studierte Bioinformatikerin mit Problemstellungen im Bereich der Vernetzung von IT-Komponenten. Seit Jänner 2011 arbeitet sie mit ihrem Team daran, Stromverbraucher im Haushalt zu Smart Grids zu vernetzen. Das Projekt wurde vom ZIT gefördert. Beim aktuellen Call der Wiener Technologieagentur, FemPower 2012, können Projekte noch bis 12. April eingereicht werden.

Auf der einen Seite sind die Energiedienstleister dazu verpflichtet, Haushalte in Zukunft mit intelligenten Stromzählern auszurüsten, erklärt Hetzl die Grundlagen des Projekts. Auf der anderen Seite wird es immer mehr intelligente Endgeräte geben, die nicht nur waschen, wärmen und unterhalten, sondern auch ihren Energieverbrauch und andere relevante Parameter messen und übermitteln können.

Die Daten des Stromanbieters und der energieverbrauchenden Komponenten laufen in der neuentwickelten Schnittstelle zusammen. Die Systemlandschaften und Protokolle der Geräte sollen vereinheitlicht werden, damit Kunden über einen Webbrowser gesammelt auf sie zugreifen und Einstellungen vornehmen können. Die Anwendung soll "möglichst simpel, möglichst breit" gehalten sein. Auf diese Art soll jeder vom PC oder vom Smartphone aus mit der Wohnung, der Alarm- oder Klimaanlage, dem Geschirrspüler oder der Heizung "reden" und den Verbrauch koordinieren können. Wenn möglichst viele Systeme über die Schnittstelle steuerbar werden, hilft das dem Verbraucher, Zeit und Geld zu sparen. So soll die Entwicklung in ein Produkt eines österreichischen Energieversorgers einfließen, einem Router, der mit dem Stromzähler kommuniziert.

Andere Projekte des Unternehmens befassen sich mit Soft- und Hardwarekomponenten etwa im Gesundheitswesen oder für Industrieanlagen. Zum Beispiel wurde ein E-Card-Lesegerät zur Alterskontrolle in Solarien entwickelt, um die 2010 in Kraft getretene Solarienverordnung, die ein Verbot für Kinder und Jugendliche vorsieht, durchzusetzen.

Der Weg zu ihrer heutigen Beschäftigung führte Hetzl vom Bioinformatikstudium an der Uni Wien zu einem Assistentenjob an der TU Wien. Für ihre Diplomarbeit zog sie davor für acht Monate nach Leipzig. Ursprünglich hatte die Forscherin begonnen, Bauingenieurswesen an der TU Graz zu studieren. Eine Entscheidung, die eher "von Berufsaussichten geprägt war, weniger von den Interessen", und die "gar nicht so gescheit war", blickt Hetzl heute zurück. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.01.2012)

  • Jennifer Hetzl vernetzt Stromverbraucher.
    foto: theobroma systems

    Jennifer Hetzl vernetzt Stromverbraucher.

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