Ronny Pecik: Der "Nicht-Spekulant" setzt zum Sprung auf Telekom an

17. Jänner 2012, 11:40
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49-jähriger mischt seit zehn Jahren bei großen Industrie-Deals in Österreich und der Schweiz mit

Finanzinvestor Ronny Pecik (49) ist in der Öffentlichkeit zurück: Seit er Anfang September mit Hilfe seines ägyptischen Geldgebers Naguib Sawiris erstmals groß in die Telekom Austria Group eingestiegen ist, geistert sein Name fast wieder täglich durch die Zeitungen. Der frühere Optionenhändler mischt oft als Aushängeschild anonymer Aktionäre seit zehn Jahren immer wieder bei großen Industrie-Deals in Österreich und der Schweiz mit. Nun hat Pecik - inklusive Optionen - bei der Telekom auf bereits mehr als 20 Prozent aufgestockt, wie am Montagabend bekannt wurde. Die gesamte Telekom ist an der Börse mit rund 4 Mrd. Euro bewertet.

"Ein Spekulant baut keine Unternehmen auf, ich hingegen sehr wohl"

Das Wort Spekulant hört Pecik nicht gerne, denn "ein Spekulant baut keine Unternehmen auf, ich hingegen sehr wohl", wie er kürzlich in einem "Format"-Interview erklärte. Um seine Aussage zu belegen nennt er seine Teilhaberschaft bei der inzwischen pleite gegangenen A-Tec, bei der Schweizer Oerlikon sowie bei der eineinhalb Jahre gehaltenen VA-Tech.

Mit seinem Ko-Investor aus den Gründungstagen der A-Tec hat er sich zerstritten und Pecik will ihn heute nicht mehr kennen: "Mirko Kovats ist aus meiner Wahrnehmung verschwunden. Er hat viele Schicksale auf dem Gewissen." Kovats und Ronny Pecik hatten 2003 aus der damaligen Verstaatlichten Anteile des Mischkonzerns VA Tech heraus- und diese mit etwa 80 Millionen Euro Gewinn an die Siemens weiterverkauft. Zwei Jahre davor war Investor Pecik im Schlepptau des Rechtsanwalts Rudolf Fries in den zu privatisierenden Edelstahlproduzenten Böhler-Uddeholm eingestiegen, hatte seinen Anteil aber bereits im Jahr darauf mit sattem Gewinn verkauft.

Kontrollmehrheit

Zuerst mit, dann ohne Kovats engagierte sich Pecik zwischen 2005 und 2007 bei einer Reihe von Schweizer Großunternehmen - z.B. bei Oerlikon, Sulzer, Ascom und Saurer. Seine Methode, sich mit Optionen eine Kontrollmehrheit zu sichern, war in der Schweizer Öffentlichkeit sehr umstritten. Dies führte zu Ermittlungen gegen Pecik und seinen Geschäftspartner Georg Stumpf durch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma, die aber letztlich in einen Freispruch mündeten. Ein ursprünglich festgesetztes Bußgeld in Millionenhöhe musste von Pecik, Stumpf und dem russischen Oligarchen Viktor Vekselberg nicht bezahlt werden.

Inwieweit sich Pecik vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise ohne Verluste aus seinen Schweizer Engagements zurückziehen konnte, ist in der Öffentlichkeit unbekannt, wenigstens das Oerlikon-Engagement dürfte er mit einem beachtlichen Gewinn beendet haben. Definitiv nicht erfolgreich war dagegen ein etwa ein halbes Jahr dauerndes Gastspiel als Aktionär an der 2009 in den Konkurs geschlitterten Fluglinie SkyEurope. Das Wirtschaftsmagazin "trend" schätzte sein Privatvermögen zuletzt auf 170 Mio. Euro.

Vita

Der heute in einem Klosterneuburger Nobelviertel wohnende Pecik wurde am 4. März 1962 im kroatischen Varazdin geboren, seine Eltern übersiedelten drei Jahre später nach Wien. Nachdem dem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Gymnasium machte Pecik zuerst eine Elektrikerlehre, danach ging er in die Bank-Branche.

Zunächst arbeitete er als Optionenhändler, danach in der Vermögensverwaltung. Seit 1997 arbeitete Pecik für die Kärntner Regionalbank RBB, die nach hohen Spekulationsverlusten im Jahr 2000 ins Trudeln geriet. Pecik, der erst im April 2000 das RBB-Wertpapiergeschäft übernommen hatte, schied nach einem halben Jahr aus dieser Funktion wieder aus. Zusammen mit früheren Bankkollegen und Geldgebern kaufte er bald danach die auf Akquisitionen spezialisierte M&A Bank. (APA)

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    Ronny Pecik  - Die ÖIAG hat die Aufstockung des Anteils von Ronny Pecik bei der teilstaatlichen Telekom Austria auf 20 Prozent zurückhaltend kommentiert. ÖIAG-Sprecher Bernhard Nagiller verwies auf APA-Anfrage auf den Staatsanteil von 28,42 Prozent: "Das heißt aber auch, dass die ÖIAG keine Aktienmehrheit an der Telekom Austria innehat und auf Veränderungen der Aktionärsstruktur im Rahmen des Streubesitzes von 71,58 Prozent keinerlei Einfluss hat."

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