Ganze Oper in drei Liedminuten

16. Jänner 2012, 17:20
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Diana Damrau kommt mit Harfenbegleitung zu einem Liederabend an die Wiener Staatsoper: ein Gespräch über die Tücken des Liedfaches und Uraufführungspläne

Wien - Hier kommt einiges an extremer Opernerfahrung zusammen: Diana Damrau (Jahrgang 1971) war bei der Salzburger "Opernschlacht" zugegen, als Stefan Herheim mit seiner Inszenierung von Mozarts Entführung Tumulte auslöste. Sie war als Königin der Nacht gezwungen, in schwindelerregender Höhe ihre Koloraturen zu entfalten. Und unlängst, in München, hat Damrau bei Hoffmanns Erzählungen locker gleich drei Damenrollen - also Olympia, Antonia und Giulietta - gestaltet. Als eine der souveränsten Sängerinnen der Gegenwart.

Wenn sie nun, am Donnerstag, mit Harfenist Xavier de Maistre an die Wiener Staatsoper zu einem Liederabend kommt, ist das allerdings kein Ausflug in entspannende Berufsbereiche: "Trotz der vielen Opernarbeit habe ich mir den Liedbereich bewahrt. Damit kann man seine Stimme pflegen und sich selbst zur Achtsamkeit erziehen. Hat man in der Oper doch einige Stunden Zeit zu glänzen, sind es beim Lied eigentlich nur drei Minuten."

Da dürfe kein Fehler passieren. "Ein Lied ist Oper in konzentrierter Form. Und: Man kann mit einem begleitenden Partner noch viel genauer proben und an Feinheiten feilen. Ein einzelner Musiker ist eben viel beweglicher als ein ganzes Orchester. Zudem bekommt man mit einem Orchester nie so viele Proben." Ja, die Staatsoper sei ein großer Raum für einen Liederabend, räumt Damrau ein, "aber er klingt gut. Tenor Jonas Kaufmann hat ja sogar an der Metropolitan Opera in New York einen Liederabend gegeben. Natürlich muss man das Material so aussuchen, dass man nicht mit dem Filigransten beginnt, und sich dann alle fragen, ob das nun den ganzen Abend lang so weitergehen würde."

Auch bezüglich des Begleitinstrumentes müsse man auf das richtige Repertoire achten: "Den Erlkönig würde man nicht mit der Harfe umzusetzen versuchen. Vieles aber schon - was Xavier de Maistre da herausholt, ist toll." Er wird es u. a. anhand von Miniaturen Schuberts, Strauss', Faurés, Duparcs und Liszts tun. Mit Material des Letzteren hat Damrau übrigens auch eine tolle CD eingespielt. "Die Liszt-Lieder sind besonders. Alles, was Liszt vom Pianisten fordert, das fordert er auch vom Sänger, nämlich alle verfügbaren Mittel, also absolute künstlerische Brillanz und das ganze Ausdrucksspektrum."

Die CD ist bei Virgin, Damraus Stammlabel, herausgekommen, das EMI gehört, deren CD-Abteilung wiederum an Universal verkauft wurde. Diesen rasanten Umbrüchen am CD-Markt steht auch die Sängerin aus dem deutschen Günzburg mit einem gewissen Staunen gegenüber. "Man hofft natürlich als Künstler, dass es weitergeht. Ich habe noch einige Projekte, die der Veröffentlichung harren. Das nächste wird etwas mit Operette, Musical und Filmmusik zu tun haben. Da ist vieles aus meiner Zeit am Theater in Würzburg, wo ich begann, enthalten - etwa My fair Lady."

Was auch immer der CD-Branche bevorsteht - das Karriere- und Spaßzentrum bleibt die Bühne. Da gibt es etwa 2013 im Theater an der Wien die Uraufführung von Iain Bells Oper A Harlot's Progress. Mit Damrau, die zu berichten weiß, dass das Werk "fast fertig" und "mein Charakter jedenfalls schon gestorben" ist. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD/Printausgabe 17.1.2012)

  • Sängerin Diana Damrau: Mit dem Liedfach "kann man sich selbst zur Achtsamkeit erziehen".
    foto: staatsoper

    Sängerin Diana Damrau: Mit dem Liedfach "kann man sich selbst zur Achtsamkeit erziehen".

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