"Weltwoche" soll Eigentumsverhältnisse offenlegen

15. Jänner 2012, 18:41
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Blocher-Clan als Strippenzieher des Blatts vermutet - Darbellay will "keine Berlusconi-Verhältnisse"

Bern - Mit Ausnahme der Volkspartei (SVP) fordern die Präsidenten aller großer Schweizer Parteien die Wochenzeitschrift "Weltwoche" auf, ihre Eigentumsverhältnisse offenzulegen. Die Rolle des Blatts im Fall um den zurückgetretenen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand zeige erneut, wie nah das Magazin der SVP stehe, schrieb die Schweizer Presse am Sonntag.

Die Parteichefs von SP, CVP, FDP, Grünen, BDP und Grünliberalen (GLP) zweifeln, dass Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel alleiniger Eigentümer des Blatts ist. Vieles deute darauf hin, "dass Blocher und sein Clan die Fäden in der Hand halten", sagte SP-Präsident Christian Levrat. Unter dem Deckmantel angeblicher Recherchen würden politische Kampagnen gefahren.

Die "Weltwoche" war es, die mit ihrer Berichterstattung den Fall Hildebrand ins Rollen brachte, die im Rücktritt des Nationalbankpräsidenten vor einigen Tagen gipfelte. Dass dem Blatt die Bankdokumente zugespielt wurden, die SVP-Nationalrat Christoph Blocher zuvor dem Bundesrat übergeben hatte, sei staatspolitisch bedenklich, sagte Levrat dazu. Die "Weltwoche" steht im Ruf, inoffizielles SVP-Sprachrohr zu sein.

Für den Fall, dass die Zeitung nicht freiwillig Transparenz schafft, wollen einige der Präsidenten auch gleich vorsorgen: Sie streben eine "Lex Weltwoche" an, mit der Verlage gezwungen würden, ihre Besitzverhältnisse offenzulegen. GLP-Präsident Martin Bäumle formulierte das Anliegen grundsätzlich: "Alle Medien sollen darlegen, wer bei ihnen Einfluss ausübt. So sollen große Aktionäre, Finanzgeber, Spender, aber auch die großen Inserenten offen gelegt werden.

CVP-Chef Christophe Darbellay zeigte sich einer solchen Idee gegenüber offen und unterstrich, er wolle keine "Berlusconi-Verhältnisse unter Obhut von Alt-Bundesrat Christoph Blocher". In den Worten von Levrat: "In letzter Konsequenz brauchen wir neue medienrechtliche Bestimmungen, die Transparenz bei Verlagen herstellen."

Erst vor kurzem sorgte für Aufsehen, dass Blocher zumindest indirekt der Strippenzieher bei der "Basler Zeitung" war. Seine Tochter Rahel finanzierte das Blatt, doch die SVP-Ikone dementierte lange eine Verstrickung in das traditionsreiche Verlagshaus. "BaZ"-Chefredakteur ist Markus Somm, Ex-Weltwoche-Redakteur und Blocher-Biograf. Laut der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) war er einer der "Weltwoche"-Autoren, welche dem Magazin ein rechtskonservatives Profil gaben.

SNB-Direktor Hildebrand stolperte über von seiner Frau getätigt Devisengeschäfte just zu der Zeit, als die SNB versuchte, eine Abwertung des Schweizer Frankens herbeizuführen, da die heimische Wirtschaft unter der starken Landeswährung zu leiden hatte.

Durch einen IT-Mitarbeiter gestohlene Bankdaten belegen laut der Schweizer Presse entsprechende Bewegungen auf Hildebrands Konto der Bank Sarasin. SVP-Kantonspolitiker Hermann Lei spielte nach eigenen Angaben Briefträger zwischen dem Lieferanten und Blocher. Gegen Lei und einen andern SVP-Kantonspolitiker wurde inzwischen Klage gegen Amtsgeheimnisverletzung erhoben. Lei, im normalen Leben Anwalt, hat zudem den Vorwurf der Verletzung des Berufsgeheimnisses am Hals.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat am Freitag auch Blocher zum Fall befragt. Gegen ihn liege "zum jetzigen Zeitpunkt kein Tatverdacht vor", sagte Staatsanwalt Umberto Pajarola gleichentags. Der "Weltwoche" hingegen drohen Klagen von Hlldebrand und der Bank Sarasin. Deren Anwälte würden alle Möglichkeiten ausloten, berichtete der Online-Tagesanzeiger/Newsnet am Donnerstag.

Die aktuelle Ausgabe des "SonntagsBlick" berichtete, Blocher habe den IT-Mitarbeiter und Datendieb sowie seinen Anwalt Lei bereits am 3. Dezember 2011 in seiner Villa empfangen, wo sie ihn informierten. Der Nationalrat und Milliardär habe den Delinquenten nicht zum Datendiebstahl angestiftet. (APA)

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