Zum Skifahren nach Werfenweng mit Hund, Kind und Kegel

    15. Jänner 2012, 17:47
    2 Postings

    In Werfenweng kracht und dröhnt es nicht, hier macht die ganze Familie umweltfreundlichen Urlaub

    Dem Hund ist schwer die Laune zu verderben. Futter, Kinder, stundenlang mit dem "Rudel" im Schnee herumsausen - das ideale Hundeleben im Labrador-Universum.
    Uns verdirbt man im Urlaub deutlich leichter die Laune, zum Beispiel mit bedrängender Animation, mit leisen Stoßgebeten und Augenrollen, wenn Kinder einmal nicht angemessen zum Speiseraum gehen, sondern laufen. Mit hupendem Durchzugsverkehr. Auch mit (unausgesprochener) Missbilligung der Anwesenheit des sanft unter dem Bartisch eingerollten Hundeviehs. Und mit All-in-Buffets, auf denen sich sechsmal täglich bis zum Bersten ein Vielzuviel von allem türmt und von denen die Gäste auch solcherart wegschleppen, dass am Weg zum Tisch schon die Hälfte vom Teller quillt - um den großen nichtverzehrten Rest dann abservieren zu lassen.

    Das alles gibt es im Gut Wenghof im Salzburger Werfenweng nicht. Wer Spa-Specials, High-Class-Wellness ohne jede Babystimme und Skiracing mit Non-stop-Après inklusive Promi-Schauen will, ist dort im Pongau auch nicht richtig.

    Das 300-Gäste-All-inclusive-Haus hat wohl eine Sauna und ein Hallenbad mit Außenbecken - das ist aber so überschaubar wie der 900-Einwohner-Ort auf 900 Metern Seehöhe mit seinem Skigebiet. Werfenweng ist romantisch ruhig, protzt nicht, trötet nicht, hat seine Urlaubslogistik auf Naturerleben und Familien ausgerichtet - und hat sich über weite Strecken dem sanften Tourismus verschrieben.

    Alles überschaubar

    Der Wenghof hat sich zum Familienhotel gemacht. Je kleiner die Kinder, desto besser passt es dort. Essen gibt's gemäß den All-inclusive-Konzepten immer. Das aber angemessen, es ist alles da, es drängt sich aber nicht auf. Nachmittags warten Würstel und Kuchen, zum Frühstück, mittags und abends wird ein überschaubares Buffet im Kompromiss von nachhaltiger Küche mit auch nichtlokalen Produkten angeboten.

    Beim Glühwein an der Schneebar locken natürlich viele Sorten Kekse, aber nie so viel, dass die Etageren einknicken. Geschulte Gourmets mögen Anlässe zum Naserümpfen finden, wer es allerdings einfach gut und freundlich haben will und auf die Preis-Leistungs-Verhältnismäßigkeit Wert legt, für die Woche zu viert mit Hund unter 3000 Euro budgetieren möchte, wird sich freuen. Der Hund kostet acht Euro die Nacht und wird - wie schön - nicht mit "Ihr süßer Liebling" angesprochen, weil Hunde dort ganz üblich sind, desgleichen der Umstand, dass sie winters mit nassen Pfoten reinkommen. Auch nicht unwichtig in der Alltagsorganisation mit Kindern und Hund: Aus dem Hotel raus und eine Stunde Hundeweg - dafür bieten sich sehr viele angenehme Strecken mit Blick auf das mächtige Tennengebirge an. Verlaufen ist dabei eine Kunst.

    Zum Shoppen gibt's in Werfenweng außer in der Greißlerei Grünbaum nichts - dafür ist das Auto (Bischofshofen) notwendig. Sonst kann man es beruhigt am Parkplatz einschneien lassen - wer will, kann sogar zu Urlaubsbeginn in Werfenweng - auch aus Umweltschonungsmotiven - den Autoschlüssel weglegen, mit den Grashüpfern (E-Mobile) oder mit den Shuttles fahren. Zu den Liften geht's eigentlich auch zu Fuß, aber mit Kindern und vier Paar Ski- ern ... Doch besser mit dem Service. Mit den Pisten sind Geübte schnell durch, dafür: Wenn im Kinderskikurs etwas nicht klappt, ist man schnell überall: In acht Minuten ist die Kabinenbahn Ikarus auf der Bischlinghöhe (1850 Meter).

    Angeblich ist Werfenweng bis jetzt ein Schneeloch gewesen, sagen die Köche - sie müssen es wissen, sie sind von da, Stammpersonal - wie auch die Gäste überwiegend Stammgäste sind, ein Ausschnitt aus einer Mittelschicht, die es statistisch nicht gibt, von Ärzten bis zu Straßenbauern, viele Deutsche von Hamburg bis zum nahen München, haben das Haus gern. Hoteldirektor Marcus Klein ist die Integration des Hauses in den Ort wichtig - ein paar Einheimische treffen einander auch in der Kaffeebar, man unterhält sich mit den Gästen. Draußen auf der kleinen Bühne wird gerade Kinderdisco geprobt.

    Apropos: Abendgarderobe ist nicht gefragt - Trainingshosen (gottlob) auch nicht. Im Animationsangebot findet sich etwas auch für die Altersklassen über der (guten) Kinderbetreuung und dem Pinguin Bobo. Animateurin Yvonne hat Cocktailmixen, Specksteinarbeiten und Ausflüge im Programm, die auch 16-Jährige noch würdig finden. Wem fad wird oder wer nicht Alpinskilaufen will, der hat noch immer Extrasportangebot, Eisriesenwelt, Naturteich. Die Stadt Salzburg ist auch nicht weit (45 Kilometer), innerhalb der Tempolimits ist Wien in drei Stunden zu erreichen. Abendshows gibt's im Wenghof natürlich auch - aber, wie gesagt: überschaubar. Ein gutes, unaufdringliches Gesamtprogramm.

    Die andere Seite: Was dieser Ausläufer der Tui-Konzerntouristik da im Kleinen gut bietet, ist, was es ist: ein gut geführtes Haus mit ambitioniertem Umweltprogramm in einer besonders schönen Gegend, wo Familienurlaube nur sehr schwer schiefgehen können. Die ganz besondere Seele eines über Generationen eigentümergeführten Familienbetriebes in der Touristik ist aber nicht da. Wohl sind die Zimmer modern eingerichtet, groß genug und perfekt betreut, eine besonders liebevolle Handschrift der Chefin in jeder Kleinigkeit ist darin aber nicht verewigt. Die Kinder (mit zehn Jahren zu groß für Pinguin Bobo und schon kleine Späher in der Bar) sagen, es soll unbedingt angemerkt werden: Es sind abends die Fruchtcocktails mit der süßen Kirsche und den Glitzerschirmen im Programm dabei. (Karin Bauer/DER STANDARD/Printausgabe/13.01.2012)

    • Bild nicht mehr verfügbar

      www.werfenweng.at

      In Werfenweng kommen Kinder, Hund und Eltern auf ihre Rechnung. Schnee gibt es auch in Massen, Buffet dafür in Maßen, was gut ist.

    Share if you care.