Astronomisches Rätsel: Dieser Pulsar dreht sich zu langsam

14. Jänner 2012, 18:00
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Neutronenstern in der Kleinen Magellanschen Wolke braucht 18 Minuten für eine Umdrehung - zu erwarten wären Bruchteile von Sekunden

Potsdam - Pulsare sind schnell rotierende Neutronensterne, also die Endstadien von Sternen, die ihre Materie im Äquivalent von mehreren Sonnenmassen auf einen Durchmesser von wenigen Dutzend Kilometern komprimiert haben. Wobei "schnelle Rotation" offenbar relativ ist - in der Kleinen Magellanschen Wolke wurde nämlich nun mit dem amerikanischen Röntgenteleskop "Chandra" und dessen ESA-Pendant "XMM-Newton" ein Pulsar entdeckt, bei dem die Parameter irgendwie nicht so ganz zusammenzupassen scheinen.

Normalerweise liegt die Rotationsdauer bei Pulsaren zwischen Millisekunden und Sekunden - das jetzt entdeckte Objekt SXP 1062 hingegen leuchtet nur alle 18 Minuten einmal auf, wie die Universität Potsdam berichtet - in Pulsar-Maßstäben eine halbe Ewigkeit. Man geht zwar davon aus, dass sich die Rotation im Laufe von Jahrmilliarden verlangsamt. Dazu passt jedoch nicht, dass SXP 1062 von einer zarten, ringförmigen Wolke umgeben ist. Hierbei handelt es sich nach Meinung der Astronomen um die Reste der Supernovaexplosion, die zur Entstehung des Neutronensterns führte, als ein Riesenstern plötzlich kollabierte. Und diese Explosionswolke ist ausgesprochen jung, etwa 10.000 bis 40.000 Jahre - sonst hätte sie sich schon verflüchtigt.

Die Forscher rätseln nun, wie sich der Widerspruch zwischen dem jungen Alter der Explosionswolke und der langsamen Rotation des Pulsars erklären lässt. (red)

  •  SXP 1062 ist das helle Objekt auf der rechten Seite des Bildes, 
umgeben von einem diffusen blauen Fleck inmitten einer zarten 
ringförmigen Schale, dem Überrest der Supernova-Explosion, aus der der Pulsar hervorging. Auf
 der linken Seite liegt das Sternentstehungsgebiet NGC 
602, das ebenso wie der Pulsar in der Kleinen Magellanschen Wolke angesiedelt ist. Die Abbildung ist eine 
Falschfarben-Kombination aus sichtbarem Licht (rot, gelb) und 
Röntgenstrahlung (blau, weiß).
    foto: nasa/cxc/univ. of potsdam/l. oskinova et al.

    SXP 1062 ist das helle Objekt auf der rechten Seite des Bildes, umgeben von einem diffusen blauen Fleck inmitten einer zarten ringförmigen Schale, dem Überrest der Supernova-Explosion, aus der der Pulsar hervorging. Auf der linken Seite liegt das Sternentstehungsgebiet NGC 602, das ebenso wie der Pulsar in der Kleinen Magellanschen Wolke angesiedelt ist. Die Abbildung ist eine Falschfarben-Kombination aus sichtbarem Licht (rot, gelb) und Röntgenstrahlung (blau, weiß).

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